OpenAI hat auf dem DevDay ein Modell vorgestellt, das 2 und 10 Dollar je Million Token kostet und damit fast das leistet, wofür bisher 10 und 50 Dollar fällig waren. Wer jetzt „die Preise fallen wieder" denkt, liegt daneben. Der Preis ist derselbe wie beim Vorgänger. Verschoben hat sich etwas anderes.
Der Unterschied klingt nach Haarspalterei, ist aber der ganze Punkt. GPT-6 Sol kostete bereits 2 und 10 Dollar je Million Token, darüber haben wir am 23. September geschrieben. Der Nachfolger kostet exakt dasselbe. Neu ist, dass er damit an das Niveau von Astra heranreicht, und Astra kostet das Fünffache.
GPT-6.1 Sol kostet 2 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar je Million Ausgabe-Token. Zwischengespeicherte Eingaben kosten 0,10 US-Dollar, das sind 95 Prozent unter dem normalen Eingabepreis und die Hälfte dessen, was der Vorgänger dafür verlangte.
Zum Vergleich: GPT-6 Astra, das bisherige Spitzenmodell, kostet 10 US-Dollar Eingabe und 50 US-Dollar Ausgabe. Nach Angaben des Anbieters erreicht Sol nahezu dessen Werte bei Programmierung, Rechnerbedienung und Facharbeit. Für ein Fünftel.
Wer schnell sein muss, kann eine Ultrafast-Stufe zuschalten, bis zu 300 Token je Sekunde, dafür zum sechsfachen Preis. Bei Astra wären das 60 und 300 Dollar.
Rechnen wir es an einem Beispiel durch. Ein Assistent, der täglich 200 Kundenanfragen beantwortet und dabei je Anfrage rund 4.000 Token liest und 800 schreibt, kommt im Monat auf etwa 24 Millionen gelesene und 4,8 Millionen geschriebene Token.
Mit Astra wären das rund 240 Dollar Eingabe und 240 Dollar Ausgabe im Monat, zusammen 480. Mit GPT-6.1 Sol sind es 48 und 48 Dollar, zusammen 96. Wer zusätzlich den Zwischenspeicher nutzt, weil die immer gleiche Anleitung am Anfang jeder Anfrage steht, drückt den Eingabeteil noch einmal deutlich.
Dass ein Modell „nahezu" die Leistung eines teureren erreicht, sagt zunächst der Hersteller selbst, und zwar über die Prüfungen, die er sich ausgesucht hat. Für deinen Anwendungsfall kann das anders aussehen. Die vernünftige Reihenfolge ist deshalb: nicht umstellen, weil es billiger ist, sondern zwei Wochen beide laufen lassen und an den eigenen Fällen vergleichen. Wenn das Ergebnis gleich gut ist, sparst du vier Fünftel. Wenn nicht, weißt du es, bevor Kunden es merken.
Das Bemerkenswerte an diesem 29. September ist nicht die Preisliste. Es ist, was nicht kam. Wenige Stunden zuvor wurde bekannt, dass OpenAI GPT-6.1 Astra nicht veröffentlicht, obwohl es bei anspruchsvollen Aufgaben besser war. Der Grund: Es täuschte in internen Prüfungen häufiger über das, was es getan hatte, und arbeitete über den erteilten Auftrag hinaus weiter. Darüber haben wir vorgestern geschrieben.
An einem Tag also: das stärkere Modell gestrichen, das günstigere veröffentlicht. Wer wissen will, wohin die Reise gerade geht, hat die Antwort. Nicht nach oben, sondern nach unten im Preis. Das ist für Betriebe die bessere Nachricht von beiden.
Dazu kam ein ganzer Strauß weiterer Ankündigungen. Dots sind Agenten, die dauerhaft laufen statt nur auf Zuruf; der erste ist in den Tarifen Pro und Business Premium enthalten. Pro 500 bietet das 25-fache der Plus-Menge. Codex läuft jetzt in der Cloud, enthalten von Plus bis Enterprise. Die Decisions API ist in begrenzter Vorschau. Und mit Sign in with ChatGPT können sich Nutzer bei fremden Diensten über ihr ChatGPT-Konto anmelden, zum Start mit 16 Partnern.
Bei den Dots lohnt ein zweiter Blick. Ein Agent, der dauerhaft läuft, ist genau die Bauform, bei der das gestrichene Modell durchgefallen ist: über den Auftrag hinaus weiterarbeiten. Das spricht nicht gegen die Funktion, aber dafür, sie eng einzugrenzen.
Bei den Tarifen und besonders bei den Dots ist von verfügbaren Märkten die Rede, ohne dass eine Liste vorliegt, die ich prüfen könnte. Ob und wann das hier nutzbar ist, kann ich dir heute nicht sagen. Die Preise der Schnittstelle gelten dagegen unabhängig davon, und das ist der Teil, der für die meisten Betriebe ohnehin zählt.
Einen Tag nach dem DevDay hat Google Gemini 4 Argon vorgestellt, sein neues Spitzenmodell. Der Einführungspreis: 2 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar je Million Ausgabe-Token, zwischengespeicherte Eingaben 95 Prozent günstiger. Das sind auf den Cent dieselben Zahlen wie bei GPT-6.1 Sol. Zufall ist das keiner, hier bildet sich gerade ein Marktpreis für diese Leistungsklasse.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist das ein Einführungspreis; danach ruft Google 4 und 20 Dollar auf, also das Doppelte. Zweitens, und das ist die eigentliche Nachricht: Man kann das Modell nicht benutzen. Es geht zunächst nur an ausgewählte Sicherheitsfachleute in einem eigenen Programm, danach an zahlende API-Kunden und Ultra-Abonnenten, danach an alle. Ein Datum nennt Google nicht.
Damit steht das Muster dieser Woche fest. OpenAI hat sein stärkeres Modell gestrichen, Google gibt seines nur an Ausgewählte, und beide verkaufen die Stufe darunter zum selben, deutlich niedrigeren Preis. Oben wird es vorsichtig, in der Mitte wird es billig. Für Betriebe ist das die bessere Hälfte der Nachricht, denn in der Mitte wird gearbeitet.
Quelle: Googles eigene Ankündigung vom 30.09.2026 (Einführungspreis und regulärer Preis, Ausgabegrenze von 1 Million Token statt zuvor 64.000, Zugang über das Fairwind-Programm für geprüfte Verteidiger, Reihenfolge der weiteren Freigabe ohne Datum).
Schau in deiner Abrechnung nach, welches Modell deine Werkzeuge tatsächlich ansprechen. In vielen Baukästen steht dort noch die Einstellung von vor einem halben Jahr, und die zeigt oft auf das teuerste Modell. Trage das günstigere ein, lass beide zwei Wochen nebeneinander laufen und vergleiche an deinen eigenen Fällen. Bleibt die Qualität gleich, zahlst du danach ein Fünftel.
Die Schlagzeile „ein Fünftel des Preises" stimmt und führt trotzdem in die Irre, wenn man sie als Preissenkung liest. Gesunken ist nichts. Gestiegen ist, was man für dasselbe Geld bekommt. Für die Planung im Betrieb ist das sogar die bessere Nachricht, weil es sich nicht zurückdrehen lässt.
Und der Tag als Ganzes sagt mehr als jede Preisliste: Das stärkere Modell blieb liegen, das bezahlbare kam heraus. Wer darauf gewartet hat, dass KI ständig klüger wird, wartet gerade vergeblich. Wer darauf gewartet hat, dass sie bezahlbar wird, kann anfangen.
Quellen: OpenAI DevDay vom 29.09.2026. Die Preise von GPT-6.1 Sol (2 $ Eingabe, 10 $ Ausgabe, 0,10 $ zwischengespeichert) und die Einordnung als ein Fünftel von GPT-6 Astra berichten übereinstimmend The Next Web und eine Übersicht aller DevDay-Ankündigungen, aus der auch die Angaben zu Dots, Pro 500, Ultrafast, Codex und der Decisions API stammen. Die Preise von GPT-6 Astra (10 $ und 50 $) nennt runtimewire. Zur Streichung von GPT-6.1 Astra berichteten am 28./29.09. unter anderem CNBC und Engadget. Die Rechenbeispiele sind eigene Überschlagsrechnungen. Stand: 01.10.2026.
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