Binnen einer Woche haben zwei der größten KI-Plattformen ihre Standardeinstellungen verändert — in entgegengesetzte Richtungen. Google macht das sichtbare KI-Wasserzeichen bei Gemini-Inhalten optional abschaltbar. OpenAI aktiviert bei ChatGPT-Ads-Bestandspixeln automatisch tieferes Tracking. Beides verlangt, dass du aktiv nachschaust, was bei dir eingestellt ist.
Seit dem 14. August können Nutzer:innen das sichtbare KI-Wasserzeichen bei Inhalten, die mit Nano Banana (Bilder), Omni (Videos) und Lyria (Songs) erstellt wurden, über die Gemini-Einstellungen ("Media Watermark") gezielt ein- oder ausschalten. Rollout zunächst in Gemini und Flow, Google Search soll folgen — auf mobilen Gemini-Apps war der Schalter zum Start noch nicht verfügbar.
Wichtig für die Einordnung: Nur das sichtbare Logo wird optional. Das unsichtbare SynthID-Wasserzeichen und C2PA-Herkunftsdaten bleiben in jedem Fall erhalten — ein KI-generiertes Bild lässt sich also weiterhin technisch nachweisen, nur eben nicht mehr auf den ersten Blick erkennen. Ausnahme: Länder mit gesetzlicher Kennzeichnungspflicht wie China behalten das sichtbare Logo verpflichtend.
Quellen: TechCrunch · Dataconomy · TechRadar
Ab dem 17. August aktiviert OpenAI Automatic Advanced Matching (AAM) standardmäßig auch für bereits bestehende Web-Pixel in ChatGPT-Ads-Konten — bei neu eingerichteten Pixeln war es bereits vorher Standard. AAM liest Kundendaten, die Besucher:innen in Formulare auf der eigenen Website eintragen, hasht sie im Browser (SHA-256) und schickt sie mit dem Conversion-Event mit — damit lassen sich mehr Conversions einem Ad-Klick zuordnen, auch ohne Klick-ID.
Opt-out bleibt möglich: unter Tools → Conversions → Data Source → Edit Pixel lässt sich AAM abschalten und später wieder aktivieren. Entscheidend ist aber das Muster — der Standardmodus ist Opt-out, nicht Opt-in. Wer nicht aktiv nachschaut, bekommt das automatische Matching ab sofort einfach dazu.
Quellen: OpenAI Help Center · Search Engine Land · PPC Land
Willst du bei Kunden-Assets weiterhin sichtbar zeigen, dass es KI-generiert ist (Transparenz-Signal), oder soll das Ergebnis wie ein normales Foto/Video wirken? Beides ist jetzt eine bewusste Wahl in den Gemini-Einstellungen, nicht mehr automatisch vorgegeben.
Ein abgeschaltetes sichtbares Logo ändert nichts an eigenen Kennzeichnungspflichten (z. B. EU AI Act). SynthID und C2PA-Daten bleiben nachweisbar — "sieht nicht aus wie KI" ist kein Freibrief.
Unter Tools → Conversions → Data Source nachsehen, ob Automatic Advanced Matching aktiv ist, und bewusst entscheiden, ob das zur eigenen Consent-/Datenschutz-Strategie passt — nicht einfach laufen lassen, weil es automatisch an ist.
AAM liest, was Besucher:innen in eigene Website-Formulare eintragen. Wer das nicht will oder rechtlich absichern muss, schaltet gezielt ab statt sich auf den Standard zu verlassen.
Ob Sichtbarkeit von KI-Inhalten oder Sichtbarkeit von Nutzerdaten — große Plattformen ändern ihre Standards gerade in beide Richtungen zugleich, und beide Male ohne große Ankündigung im Produkt selbst. Wer sich auf "wird schon so bleiben wie es war" verlässt, verpasst genau die Änderungen, die am meisten zählen.
Auf den ersten Blick haben die beiden Meldungen nichts miteinander zu tun — die eine dreht an der Sichtbarkeit von KI-Content, die andere an der Sichtbarkeit von Nutzerdaten. Auf den zweiten Blick zeigen beide dasselbe Muster: Große Plattformen verschieben ihre Standardeinstellungen leise, über ein Einstellungsmenü oder eine Deadline in der Doku, nicht über eine große Produktankündigung. Wer als Agentur oder Unternehmen mit diesen Tools arbeitet, kann sich nicht mehr darauf verlassen, dass ein Standard von letzter Woche auch diese Woche noch gilt.
Das passt zu einem Muster, das wir zuletzt öfter gesehen haben — Anthropics Text-Wasserzeichen zog in dieselbe Kennzeichnungs-Richtung wie Googles ursprüngliches sichtbares Logo, jetzt macht Google genau das Gegenteil optional. Kennzeichnungsstandards sind offensichtlich noch lange nicht in Stein gemeißelt.
Beide Themen wurden vor Veröffentlichung unabhängig verifiziert (mind. 3 Quellen je Thema, davon je 1 Primärquelle). Stand: 18.08.2026.
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