Marketing & Werbung mit KI · 28. September 2026

Alle Seiten.
Ein Gesicht.

Großer Weißraum, eine freundliche Überschrift, drei Kacheln, ein Knopf in Blau. Fällt dir auf, dass das gerade überall so aussieht? Das ist kein Zufall und auch kein Trend. Es ist die eingebaute Eigenschaft der Werkzeuge, mit denen diese Seiten entstehen. Und es ist ein Problem, wenn du daneben auffallen willst.

Lesedauer5 Minuten
KategorieMarketing & Werbung mit KI
QuellenTechCrunch, Fachbeiträge, September 2026
Stand28. September 2026
✦ KI-BAUKÄSTEN LIEFERN ZUVERLÄSSIG DIE MITTE DER VERTEILUNG ✦ LOVABLE: ÜBER 600 MILLIONEN DOLLAR HOCHGERECHNETER JAHRESUMSATZ ✦ ZWEI DRITTEL DER FORTUNE-500-UNTERNEHMEN NUTZEN DIE PLATTFORM ✦ UNTERSCHEIDBAR WIRD MAN NUR NOCH DURCH BEWUSSTE ABWEICHUNG ✦ KI-BAUKÄSTEN LIEFERN ZUVERLÄSSIG DIE MITTE DER VERTEILUNG ✦ LOVABLE: ÜBER 600 MILLIONEN DOLLAR HOCHGERECHNETER JAHRESUMSATZ ✦ ZWEI DRITTEL DER FORTUNE-500-UNTERNEHMEN NUTZEN DIE PLATTFORM ✦ UNTERSCHEIDBAR WIRD MAN NUR NOCH DURCH BEWUSSTE ABWEICHUNG

Die Maschine kennt
nur den Durchschnitt.

Ein Sprachmodell sagt vorher, was am wahrscheinlichsten als Nächstes kommt. Bei Text merkt man das sofort, bei Gestaltung ist es genauso: Was herauskommt, ist das häufigste Muster aus allem, was das Modell gesehen hat. Für eine Website heißt das großer Weißraum, eine Überschrift mit Versprechen, drei Vorteile nebeneinander, ein Knopf. Das ist nicht falsch. Es ist nur genau das, was alle anderen auch bekommen.

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Das wird gerade
zur Norm.

Wie schnell sich das ausbreitet, zeigt eine Zahl vom 24. September: Der Anbieter Lovable, mit dem sich Anwendungen und Seiten durch Beschreiben in Alltagssprache bauen lassen, meldet einen auf das Jahr hochgerechneten Umsatz von über 600 Millionen Dollar, im Juni waren es noch rund 500 Millionen. Die Bewertung liegt bei 13,3 Milliarden Dollar, und nach eigenen Angaben nutzen zwei Drittel der Fortune-500-Unternehmen die Plattform, darunter Microsoft, Nvidia und die Deutsche Telekom.

Das ist erst einmal eine gute Nachricht. Wer früher Wochen auf eine einfache Landingpage gewartet hat, baut sie heute an einem Nachmittag. Für kleine Betriebe ist das ein echter Gewinn an Selbstständigkeit.

Der Preis dafür steht auf der anderen Seite der Rechnung. Wenn alle mit demselben Werkzeug arbeiten und dieses Werkzeug zuverlässig die Mitte der Verteilung ausliefert, dann sehen am Ende alle gleich aus. Und zwar nicht nur die Konkurrenz um die Ecke, sondern auch Branchen, die miteinander gar nichts zu tun haben.

In der Gestaltungsszene wird gerade deshalb die These diskutiert, dass die heutige aufgeräumte Optik altern wird wie Schlagschatten und Farbverläufe früher: Irgendwann sieht man einer Seite an, aus welchem Jahr sie stammt, weil sie aussieht wie alle aus diesem Jahr. Das ist eine Meinung, keine Messung. Aber sie trifft einen Punkt, den jeder kennt, der in der Woche zwanzig Websites anschaut.

ABER: Der Durchschnitt ist ein guter Startpunkt

Bitte nicht falsch verstehen: Eine durchschnittliche, saubere Seite ist tausendmal besser als die selbstgebastelte aus 2014, die auf dem Telefon nicht funktioniert. Wer heute nichts hat, sollte sich genau so eine Seite bauen lassen und online gehen. Die Frage der Unterscheidbarkeit stellt sich danach. Sie ist ein Luxusproblem, aber eines, das jeder bekommt, der ernsthaft um Kunden wirbt.

Die Zahlen zum Einordnen

Lovable, Jahresumsatz hochgerechnetüber 600 Mio. Dollar
im Juni nochrund 500 Mio. Dollar
Bewertung13,3 Mrd. Dollar
Nutzungzwei Drittel der Fortune 500
Besuche auf gebauten Anwendungenfast eine Milliarde im Monat
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Drei Stellen,
an denen du abweichst.

Die gute Nachricht: Du musst nicht alles anders machen. Es reicht, an wenigen Stellen bewusst zu entscheiden, statt die Vorgabe zu übernehmen.

Erstens die Bilder. Hier fällt der Unterschied am schnellsten auf. Echte Fotos aus deinem Betrieb, mit deinen Leuten, deinem Fahrzeug, deiner Werkstatt schlagen jedes glatte Symbolbild. Das gilt erst recht, seit KI-Bilder ebenfalls den Durchschnitt liefern. Ein leicht unperfektes Foto vom Team vor dem Laden wirkt glaubwürdiger als jede Illustration, die aussieht wie auf zehntausend anderen Seiten.

Zweitens die Sprache. Die meisten KI-Texte klingen freundlich, glatt und austauschbar, weil sie genau das sind. Schreib einen Satz so, wie du es einem Kunden am Tresen sagen würdest. Nenn Preise, wenn du sie nennen kannst. Sag, was du nicht machst. Das kostet nichts und unterscheidet dich sofort.

Drittens eine bewusste Eigenheit. Eine Stelle, an der du von der Vorlage abweichst, weil du es so willst: eine ungewöhnlich große Schrift, eine Farbe, die nicht das übliche Blau ist, ein Foto, das den ganzen Bildschirm füllt, eine eigene Art, die Preise zu zeigen. Eine einzige Entscheidung dieser Art reicht, damit sich jemand an deine Seite erinnert.

Ein gutes Beispiel für den Grundgedanken kommt gerade ausgerechnet von Apple: Für das neue Falt-Telefon laufen kleine Sketche in sozialen Netzwerken, in denen das Gerät im Alltag vorkommt, statt der sonst üblichen perfekten Produktbilder. Der Schluss daraus ist nicht, dass jeder jetzt Sketche drehen soll. Der Schluss ist: Wer neu ist oder erklärungsbedürftig, muss zeigen, wofür das Ding im Alltag gut ist. Das ist bei deiner Leistung nicht anders.

ABER: Anders sein ist kein Selbstzweck

Es gibt einen Punkt, an dem Eigenheit in Umständlichkeit kippt. Wenn Besucher deine Telefonnummer nicht finden, weil die Gestaltung so eigen ist, hast du verloren. Die Grundregeln bleiben: Der Weg zum Kontakt muss kurz sein, das Angebot muss in einem Satz verständlich sein, und auf dem Telefon muss alles funktionieren. Abweichen sollte man bei der Anmutung, nicht bei der Bedienbarkeit.

Deine drei Hebel

Bilderecht statt Symbolbild
Sprachewie am Tresen, nicht wie aus der Vorlage
eine Eigenheiteine bewusste Abweichung genügt
unverändert bleibtKontaktweg, Klarheit, Telefon

NACHTRAG 28.09.2026: So sieht das Gegenteil vom Durchschnitt aus

Dass es auch anders geht, zeigt gerade eine Machart, die in Tutorials herumgereicht wird: Websites, bei denen sich beim Scrollen ein Produkt dreht, auseinanderfällt oder sich aufbaut. Gebaut werden sie mit einem Programmiermodell für den Aufbau und einem Videowerkzeug für die einzelnen Bewegtbildschnipsel, die dann an das Scrollen gekoppelt werden. Der Aufwand ist überschaubar: Ein Fachmann berichtet von rund 100 Guthabenpunkten bei einem Bildanbieter für zwei Szenen, also wenigen Euro, dazu ein normales Monatsabo für das Modell. Für uns ist das kein Widerspruch zum Beitrag, sondern der Beleg: Die Werkzeuge liefern den Durchschnitt nur so lange, wie man den Durchschnitt bestellt. Wer eine konkrete Vorstellung hat, bekommt sie inzwischen auch umgesetzt. Ob sich so ein Aufwand lohnt, hängt am Produkt: Bei einem erklärungsbedürftigen Gerät ja, bei einem Handwerksbetrieb sind saubere Fotos und schnelle Erreichbarkeit wichtiger.

Quelle: Tutorial im YouTube-Kanal „AI Engineering mit Fabio" vom 28.09.2026. Die genannten Kosten sind die Angabe des Autors für sein Beispiel, keine allgemeine Preisangabe.

Der Zehn-Seiten-Test, fünf Minuten

Such dir neun Websites aus deiner Branche und nimm deine als zehnte dazu. Öffne alle in Reitern und klick einmal schnell durch. Wenn du nach dem Durchklicken nicht sagen kannst, welche deine war, hast du dein Ergebnis. Notier dir dabei die eine Sache, die dir an irgendeiner dieser Seiten im Gedächtnis geblieben ist. Genau in dieser Kategorie brauchst du deine eigene Entscheidung.

Was ich
daraus mitnehme.

Diese Werkzeuge sind ein Segen für jeden, der bisher gar nichts hatte. Und sie sind eine Falle für jeden, der glaubt, damit sei die Sache erledigt. Eine Seite zu haben ist heute keine Leistung mehr, sie kostet einen Nachmittag.

Was wieder zählt, sind die unbequemen Sachen: ein eigenes Foto machen, einen Satz selbst formulieren, eine Entscheidung treffen, die man begründen muss. Die Maschine nimmt dir das Handwerk ab, nicht den Geschmack. Und Geschmack heißt, sich zu entscheiden.

Merken für die Praxis

KI-Baukästen liefern zuverlässig das häufigste Muster ihrer Trainingsdaten. Wenn alle damit arbeiten, sehen alle Ergebnisse ähnlich aus.
Die Verbreitung wächst schnell: Lovable meldet über 600 Millionen Dollar hochgerechneten Jahresumsatz, 13,3 Milliarden Bewertung und Nutzung durch zwei Drittel der Fortune 500.
Für einen Betrieb ohne Website ist das trotzdem der richtige Einstieg. Die Frage der Unterscheidbarkeit stellt sich danach.
Drei Hebel genügen: echte Bilder statt Symbolbilder, Sprache wie am Tresen, und eine einzige bewusste Abweichung von der Vorlage.

Quellen: TechCrunch vom 24.09.2026 (hochgerechneter Jahresumsatz über 600 Millionen Dollar nach rund 500 Millionen im Juni, Bewertung 13,3 Milliarden Dollar nach Finanzierungsrunden über mehr als 700 Millionen Dollar, Nutzung durch zwei Drittel der Fortune-500-Unternehmen, fast eine Milliarde Besuche monatlich auf gebauten Anwendungen; Angaben des Unternehmens). Die Beobachtung zur alternden Einheitsoptik und das Beispiel der Apple-Kurzvideos stammen aus dem TLDR-Design-Newsletter vom 28.09.2026 und sind Meinungsbeiträge, keine Messungen. Stand: 28.09.2026.

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