Wegen KI. Der Plan hieß „Project OT", war auf zwei Wellen angelegt und wurde Stunden vor der zweiten Umsetzung gestoppt. Gergely Orosz hat ihn im Pragmatic Engineer rekonstruiert. Was stattdessen passierte, und welcher Denkfehler auch in Betrieben mit zehn Leuten vorkommt: erst die Zahl, dann die KI.
Gergely Orosz, Ex-Uber, Autor des meistgelesenen Newsletters für Software-Ingenieure, hat am 3. September eine Geschichte veröffentlicht, die in der Branche seit Monaten als Gerücht kursierte. Auf Zuckerbergs Führungsklausur auf Hawaii im Januar entstand demnach ein Plan mit dem Namen „Project Organization Transformation", kurz Project OT. Führungskräfte waren vorher in Asien gewesen und hatten bewundert, wie Start-ups dort ihre Organigramme um KI herum gebaut hatten. Die Folgerung: Das geht bei uns auch. Mit einer Zahl.
Laut Orosz sah Project OT vor, Teams von 10 bis 20 Personen zu „KI-nativen Pods" von 3 bis 5 Personen zu machen. Viele bestehende Teams hätten so um 60 Prozent schrumpfen können. Zwei Wellen waren geplant, Mai und November 2026. Meta beauftragte interne Recherchen zu Organisationsmodellen von KI-Start-ups. Zum Vergleich der Größenordnung: Meta hat rund 75.000 Beschäftigte, 228 Milliarden Dollar Jahresumsatz und 68 Milliarden Dollar Gewinn. Es ging also nicht um Not, sondern um ein Modell.
Was tatsächlich passierte, war eine andere Reihenfolge: Im Mai gingen 10 Prozent der Belegschaft. Parallel wurden laut Orosz 20 bis 30 Prozent der Entwickler ins KI-Daten-Labeln versetzt, also dahin, wo man Trainingsdaten für Modelle beurteilt. Die Stimmung kippte, es gab, so Orosz, „peinliche Ausfälle", darunter eine Instagram-Lücke, mit der fremde Konten ohne Passwort übernommen werden konnten. Am 19. Mai, Stunden vor der Umsetzung, wurde die zweite Welle abgesagt. Orosz' Erklärung: Die Belegschaft war „in offener Revolte" und überzeugt, dass die KI-Initiativen teilweise darauf zielten, sie zu ersetzen.
Alles hier stammt aus einer einzigen, allerdings gut vernetzten Quelle. Orosz nennt Codenamen, Daten und Zahlen, aber keine Namen, und Meta hat den Plan weder bestätigt noch kommentiert. Die 10-Prozent-Entlassung im Mai ist belegt, der Rest ist Rekonstruktion aus Gesprächen mit Beteiligten. Der Zusammenhang zwischen Versetzungen und Ausfällen ist Orosz' Einschätzung, nicht Metas. Ich behandle es als glaubwürdig, nicht als bewiesen.
Was mich an der Geschichte interessiert, ist nicht Meta. Es ist der Fehler, den ich in kleineren Betrieben genauso sehe, nur ohne Codenamen: Man legt zuerst die Zahl fest und hofft dann, dass die KI die Lücke füllt. Der Inhaber hat auf einer Messe gesehen, dass ein Start-up mit fünf Leuten läuft, und rechnet zurück. Das Problem ist nicht die Ambition. Das Problem ist, dass niemand vorher gemessen hat, welche Arbeit die KI in diesem Betrieb tatsächlich übernimmt. Die Zahl steht, bevor der Ablauf steht.
Orosz listet, was bei so einem Umbau verloren geht: Wissen über die eigenen Systeme, Redundanz für Ausfälle, Bereitschaftsdienste, Zeit für Neues, und die Besten gehen zuerst, weil sie am leichtesten woanders unterkommen. Alles davon gilt in einem Betrieb mit zehn Leuten schärfer als bei Meta, weil dort jede Person ein Zehntel des Wissens trägt. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Zuerst einen Ablauf an die KI geben. Messen, was wirklich wegfällt. Dann über Köpfe reden, falls überhaupt. Das ist auch der Unterschied zu den Beispielen, die ich diese Woche beschrieben habe: Die Frontier Firm hat Agenten mit Rolle und Personalakte, das Scrum-Beispiel hat den Ablauf gelassen und nur den Autor getauscht. Beide haben mit der Arbeit angefangen, nicht mit einer Prozentzahl.
Wenn in deinem Kopf oder in deiner Planung schon eine Zahl steht, „mit KI schaffen wir das mit der Hälfte", dann mach die Probe: Nenne den Ablauf, den die KI heute schon komplett übernimmt, mit Messung. Kannst du keinen nennen, ist die Zahl ein Wunsch. Fang mit einem Ablauf an, dem Angebot, der Reklamationsantwort, der Wochenauswertung. Nach vier Wochen weißt du, was übrig bleibt. Meta hat diese Reihenfolge übersprungen und ein Frühjahr dafür bezahlt. Du hast weniger Puffer als Meta.
Erst ein Ablauf an die KI, dann messen, dann reden. Nie umgekehrt.
Vielleicht kann ein Team aus drei Leuten mit Agenten wirklich das leisten, was vorher fünfzehn geleistet haben. Die Frontier Firm aus dem Workshop von letzter Woche behauptet das, und das Scrum-Beispiel von gestern zeigt, wie so etwas beginnt. Aber beide haben es andersherum gemacht: Erst die Arbeit an die Agenten, dann sehen, was übrig bleibt. Meta hat, wenn Orosz recht hat, die Zahl auf Hawaii festgelegt und dann versucht, die Organisation dahin zu biegen. Das Ergebnis war eine Belegschaft, die jede KI-Initiative als Kündigungsvorbereitung las. Ab diesem Punkt hilft kein Modell der Welt mehr.
Für mich ist das die wichtigste Nachricht dieser Woche für Betriebe, gerade weil sie von einer Firma kommt, die alles hat: Geld, Modelle, Ingenieure. Wenn selbst dort die Reihenfolge das Ergebnis bestimmt, dann bei dir erst recht. Fang mit einem Ablauf an. Die Prozentzahl kommt von allein, oder sie kommt nicht, und beides ist besser als ein Frühjahr wie das von Meta.
Quelle: Gergely Orosz, „The Pulse: Meta wanted to reduce teams by 60% because of AI" (The Pragmatic Engineer, 03.09.2026). Metas 10-Prozent-Entlassung im Mai 2026 ist öffentlich belegt, Project OT und die Versetzungen sind Orosz' Rekonstruktion ohne Stellungnahme von Meta. Stand: 04.09.2026.
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