Es gibt ein Wort für die KI-Textwüsten, die Kollegen und Kunden inzwischen verschicken: Workslop. Rund 40 % der Angestellten bekommen ihn laut einer Studie im Harvard Business Review jeden Monat. Warum der Aufwand dabei asymmetrisch ist, was dagegen hilft und welche eine Regel im Betrieb reicht.
Jeder kennt die Mail: drei Bildschirmseiten, saubere Absätze, Aufzählungen mit fetten Überschriften, und nach zwei Absätzen ist klar, dass das kein Mensch geschrieben hat. Der Entwickler Sean Goedecke hat diese Woche aufgeschrieben, wie man sich dagegen wehrt. Und weil das Phänomen inzwischen einen Namen und Zahlen hat, lohnt ein Blick auf beides.
Geprägt wurde „Workslop" im September 2025 von BetterUp Labs und dem Stanford Social Media Lab im Harvard Business Review: KI-generierter Arbeitsinhalt, der wie gute Arbeit aussieht, aber nicht die Substanz hat, eine Aufgabe sinnvoll voranzubringen. Der Begriff überträgt den „AI Slop" aus den sozialen Netzwerken auf Berichte, Präsentationen und Mails im Job. In der zugehörigen Befragung von 1.150 US-Vollzeitangestellten gaben rund 40 % an, im Vormonat Workslop erhalten zu haben.
Der Kern des Problems steht bei Goedecke in einem Satz: Der Aufwand ist asymmetrisch, „wie ein Denial-of-Service-Angriff". Text mit KI zu erzeugen kostet fast nichts, ihn zu lesen kostet weiterhin Zeit. Die HBR-Autoren beschreiben dieselbe Mechanik als Verschiebung: Workslop verlagert die Arbeit nach unten zum Empfänger, der interpretieren, korrigieren oder neu machen muss.
Goedecke grenzt selbst ab: Wenn der Absender echte eigene Arbeit in den Text gesteckt hat, ist der Aufwand nicht asymmetrisch, und dann ist es kein Slop, auch wenn es nach KI klingt. Die 40 % stammen aus einer US-Befragung eines Anbieters für Coaching-Software; Zahlen für deutsche Betriebe gibt es nicht. Und manche Berichte, so Goedecke, sind ohnehin nie zum Lesen gedacht, sondern als Nachweis, dass jemand etwas bedacht hat.
Goedeckes Liste ist bewusst pragmatisch. Erstens: Wer die Position dazu hat, sagt dem Absender schlicht, er soll es lassen. Zweitens: Wer einen Kollegen hat, der nur noch Nachrichten in ein KI-Werkzeug kopiert, behandelt ihn wie eine langsame Schnittstelle zu genau diesem Werkzeug. Drittens, vor allem gegenüber Vorgesetzten: KI mit KI bekämpfen, den Text vom eigenen Modell auf die Kernpunkte eindampfen lassen oder gleich die Antwort erzeugen, auch wenn man damit Teil des Problems wird.
Viertens: auf ein Telefonat oder Treffen bestehen. Niemand kann am Telefon Slop absondern, und wer Zeit investieren muss, sortiert sich selbst aus. Fünftens: manches ignorieren, überfliegen, später lesen oder nie. Wer etwas wirklich will, sagt es in eigenen Worten. Das ist der Punkt, an dem aus einem Ärgernis eine Betriebsregel wird.
Wer KI-Text weiterleitet, schreibt drei eigene Sätze darüber: Was steht drin, was ist neu, was soll der Empfänger tun. Wer diese drei Sätze nicht schreiben kann, hat den Text selbst nicht gelesen und sollte ihn nicht verschicken. Das gilt intern, gegenüber Kunden und gegenüber Lieferanten. Die Regel kostet den Absender 60 Sekunden und macht den Aufwand wieder symmetrisch.
Die Regel ist keine KI-Verbotsregel. Sie stellt nur sicher, dass der Absender die Arbeit gemacht hat, die er vom Empfänger erwartet.
Ich arbeite den ganzen Tag mit KI-Text, und fast alles, was hier auf der Seite steht, ist mit Werkzeugen entstanden. Der Unterschied zu Workslop ist nicht das Werkzeug, sondern ob jemand dahintersteht, der den Text gelesen, geprüft und sich zu eigen gemacht hat. Genau deshalb steht unter jedem Artikel hier eine Quelle und ein „Mein Fazit", und deshalb bekommt jede Mail, die ich mit KI vorbereite, oben drei Sätze von mir.
Für einen Betrieb mit fünf oder fünfzig Leuten ist Workslop kein Technikproblem, sondern ein Führungsproblem. Wer KI einführt, ohne zu sagen, wie man damit kommuniziert, bekommt Postfächer voller Textwüsten und Kollegen, die anfangen, sich gegenseitig zu ignorieren. Die Drei-Sätze-Regel ist die billigste Führungsentscheidung, die ich kenne. Sie kostet keine Software, keine Schulung und keine Verbotsliste. Nur die Erwartung, dass Menschen weiterhin wissen, was sie verschicken.
Quellen: Sean Goedecke, „How to protect yourself from workslop"; Harvard Business Review (BetterUp Labs / Stanford Social Media Lab, September 2025), Befragungszahlen zitiert nach TechCrunch. Stand: 03.09.2026.
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