KI-Strategie · 4. September 2026

KI spart keine Zeit.
Sie hebt den Boden.

Ein Autor hat fünf Jahre seiner eigenen Arbeit vermessen. Ergebnis: Die Zahl der Korrekturen blieb konstant, bei einem Mittelwert von 136 je Beitrag. Besser wurden die schwächsten Texte. Wer KI kauft, um Zeit zu sparen, misst am falschen Ende. Was das für eure Preise, eure Versprechen und die Erwartung eurer Kunden bedeutet.

Lesedauer4 Minuten
KategorieKI-Strategie
Quelletomtunguz.com, 2. September 2026
Stand4. September 2026
ZEILENKORREKTUREN BLIEBEN KONSTANT: MEDIAN 136 JE BEITRAG, ÜBER FÜNF JAHRE STRUKTURELLE ENTWÜRFE FIELEN VON 47 AUF 3. DER AUFWAND WANDERTE, ER VERSCHWAND NICHT DAS SCHWÄCHSTE ZEHNTEL STIEG VON 2,59 AUF 3,81, DOPPELT SO VIEL WIE DAS STÄRKSTE ABER: EINE PERSON, EIN BLOG, UND DIE BEWERTUNG KAM VON EINER KI ZEILENKORREKTUREN BLIEBEN KONSTANT: MEDIAN 136 JE BEITRAG, ÜBER FÜNF JAHRE STRUKTURELLE ENTWÜRFE FIELEN VON 47 AUF 3. DER AUFWAND WANDERTE, ER VERSCHWAND NICHT DAS SCHWÄCHSTE ZEHNTEL STIEG VON 2,59 AUF 3,81, DOPPELT SO VIEL WIE DAS STÄRKSTE ABER: EINE PERSON, EIN BLOG, UND DIE BEWERTUNG KAM VON EINER KI

Alle messen Zeit.
Er hat Qualität gemessen.

Jedes zweite Versprechen rund um KI lautet „spart Zeit". Tomasz Tunguz, Wagniskapitalgeber und seit vielen Jahren Vielschreiber, hat am 2. September nachgesehen, ob das für seine eigene Arbeit stimmt. Er hat fünf Jahre eigener Beiträge ausgewertet, und das Ergebnis widerspricht dem Versprechen so deutlich, dass es sich lohnt, den eigenen Erwartungen einmal in die Augen zu sehen.

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Der Aufwand blieb.
Der Boden stieg.

Sein Ablauf hat sich verändert: Er gibt Ideen und Zahlen hinein, bekommt sofort einen Entwurf und steuert dann Zeile für Zeile nach, mündlich und schriftlich, statt selbst zu tippen. Was man erwarten würde, ist weniger Arbeit. Was er misst, ist etwas anderes. Die Zahl der Korrekturen auf Zeilenebene blieb über die Jahre konstant, bei einem Mittelwert von 136 je Beitrag. Zurückgegangen ist nur eine Sorte Arbeit: die strukturellen Entwürfe, also das Umbauen der Gliederung. Die fielen von 47 auf 3.

Die zweite Messung ist die interessantere. Er hat je 15 zufällige Beiträge pro Jahr von 2021 bis 2026 bewerten lassen und dabei nicht auf den Durchschnitt geschaut, sondern auf die Ränder. Das schwächste Zehntel stieg von 2,59 auf 3,81, also doppelt so stark wie das stärkste Zehntel. Sein Satz dazu: KI verringert den menschlichen Aufwand nicht, sie hebt an, was derselbe Aufwand hervorbringt. Auf gut Deutsch: Die guten Sachen wurden ein bisschen besser. Die schlechten wurden deutlich besser, oder sie erschienen gar nicht erst.

ABER: Eine Person, ein Blog, eine KI als Jury

Das ist die Selbstvermessung eines Einzelnen an seiner eigenen Arbeit, ohne Vergleichsgruppe. Und die Qualitätsbewertung stammt von einem KI-Bewertungsgremium, also von derselben Sorte Technik, deren Wirkung gemessen werden soll. Das ist keine Schummelei, aber es ist auch kein Beweis. Bemerkenswert bleibt der Befund trotzdem, weil er gegen das eigene Interesse des Autors läuft: Ein Investor hätte allen Grund, „spart Zeit" zu bestätigen.

Fünf Jahre Messung

QuelleTomasz Tunguz, 02.09.2026
Zeilenkorrekturenkonstant, Median 136
Strukturentwürfevon 47 auf 3
Bewertet15 Beiträge je Jahr, 2021–2026
Schwächstes Zehntel2,59 → 3,81
Stärkstes Zehntelhalb so viel Zuwachs
Bewertung durchKI-Gremium
2

Warum das euer
Preisversprechen ändert.

Wenn KI nicht Zeit spart, sondern den Boden hebt, dann sind zwei verbreitete Erwartungen falsch. Die erste: dass ihr mit KI dieselbe Arbeit in der halben Zeit macht. Werdet ihr nicht, jedenfalls nicht bei allem, was am Ende ein Mensch verantwortet. Der Aufwand wandert nur von der groben Arbeit in die feine. Die zweite: dass sich das im Preis nach unten auswirken muss. Wenn euer schlechtestes Angebot jetzt so gut ist wie früher euer mittleres, habt ihr nicht Kosten gespart, ihr habt euer Versprechen gehalten, auch an einem schlechten Tag.

Genau das ist der Verkaufssatz, und ich halte ihn für ehrlicher als jedes Zeitversprechen. Nicht: „Wir sind mit KI schneller." Sondern: „Bei uns gibt es keine schwachen Tage mehr." Das ist überprüfbar, es passt zu dem, was Kunden tatsächlich merken, und es erklärt, warum ihr denselben Preis nehmt. Es passt auch zu dem, worüber ich diese Woche geschrieben habe: Die Erwartung eurer Kunden ist gestiegen. Ein gehobener Boden ist genau die Antwort darauf.

Die Messung für euren Betrieb

Legt eure letzten zwanzig Angebote nebeneinander und sortiert sie nach Güte. Schaut euch nicht das beste an, sondern die drei schlechtesten. Die sagen euch, was ein Kunde an einem schlechten Tag bei euch bekommt. Wiederholt das in drei Monaten, nachdem ihr eine Anleitung für Angebote habt. Wenn die drei schlechtesten besser geworden sind, wirkt die KI. Ob ihr schneller geworden seid, ist die falsche Frage.

Für den Betrieb

Falsches Versprechen„mit KI schneller"
Richtiges Versprechen„keine schwachen Tage mehr"
Messt nichtdas beste Ergebnis
Messtdie drei schlechtesten
Preisbleibt, weil das Versprechen hält

Nicht „wir sind schneller". Sondern „bei uns gibt es keine schwachen Tage mehr".

Der Kunde merkt den gehobenen Boden. Die gesparte Stunde merkt er nie.

Das falsche Versprechen
kostet Vertrauen.

Ich mag diesen Befund, weil er eine Erwartung geraderückt, die viele enttäuscht zurücklässt. Wer KI einführt und danach die Stoppuhr anschaut, findet oft nichts und schließt daraus, es bringe nichts. Wer stattdessen anschaut, wie das schwächste Ergebnis der Woche aussieht, sieht die Wirkung sofort. Das ist keine Ausrede, es ist eine andere Messgröße, und es ist die, auf die Kunden reagieren.

Und es hat eine unbequeme Kehrseite, die zum Rest dieser Woche passt: Wenn alle den Boden heben, wird der gehobene Boden zur Erwartung. Der Vorsprung liegt dann nicht mehr darin, dass ihr keine schwachen Tage habt, sondern darin, dass ihr an guten Tagen etwas könnt, was eine Maschine nicht liefert. Den Boden hebt die KI für euch. Die Decke müsst ihr selbst höher legen.

Merken für die Praxis

Korrekturen blieben konstant bei einem Median von 136 je Beitrag. Nur die grobe Strukturarbeit fiel weg.
Das schwächste Zehntel stieg von 2,59 auf 3,81, doppelt so stark wie das stärkste. KI hebt den Boden.
Selbstvermessung eines Einzelnen, bewertet von einer KI. Kein Beweis, aber gegen das eigene Interesse.
Fürs Marketing: nicht „schneller" versprechen, sondern „keine schwachen Tage". Messt eure drei schlechtesten Angebote.

Quelle: Tomasz Tunguz, „AI Productivity Doesn't Mean What I Thought It Means" (02.09.2026). Selbstvermessung an eigenen Beiträgen, Qualitätsbewertung durch ein KI-Gremium. Stand: 04.09.2026.

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Wie sieht euer
schlechtester Tag aus?

Ich schaue mir eure zwanzig letzten Angebote an, nehme die drei schwächsten und baue die Anleitung, die genau diese anhebt. Danach halten eure Versprechen auch an einem schlechten Tag.

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