Stellenausschreibungen für Berufsanfänger liegen laut Stepstone so tief wie nie zuvor gemessen. In der IT sind Junior-Stellen seit 2020 um über die Hälfte eingebrochen. Und laut einer Lünendonk-Erhebung wollen zwei Drittel der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften künftig deutlich weniger Berufseinsteiger einstellen. Wir ordnen ein, was hinter den Zahlen steckt — und warum das Sparen an der Basis später teuer wird.
Die Jobbörse Stepstone hat für Deutschland ausgewertet: Das Angebot an Stellen für Berufsanfänger liegt aktuell rund 42 % unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre — im ersten Quartal 2025 lag der Rückgang laut Auswertung sogar bei 45 %, der tiefste Wert seit Beginn der Erhebung. Damit gibt es aktuell weniger neue Junior-Stellen als selbst am Tiefpunkt der Corona-Krise. Ein „nachhaltiger Umschwung" sei laut Stepstone nicht in Sicht.
Besonders hart trifft es die IT: Die Zahl offener Stellen sank von 149.000 (2023) auf 109.000 (2025), Junior-Entwicklerstellen sind seit 2020 um 54 % eingebrochen. Neben der wirtschaftlichen Lage ist KI laut den Auswertungen ein struktureller Treiber: Sie übernimmt genau die Aufgaben, mit denen Berufsanfänger klassischerweise ins Berufsleben starten.
Besonders betroffen sind laut den Auswertungen Branchen, in denen Berufseinsteiger klassischerweise mit repetitiver Zuarbeit starten — genau die Aufgaben, die KI inzwischen übernimmt.
Einfache Programmieraufgaben, die früher Junior-Entwicklern zufielen, werden zunehmend von KI-Tools erledigt — Junior-Stellen seit 2020 um 54 % eingebrochen.
Zwei Drittel der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwarten laut Lünendonk-Erhebung, in den kommenden Jahren deutlich weniger Berufseinsteiger zu benötigen.
Recherche und Dokumentenprüfung, die traditionelle Einstiegsarbeit in Kanzleien, gehört zu den Aufgaben, die KI-Tools inzwischen deutlich schneller erledigen.
Standard-Design und einfache Content-Produktion, früher oft Einstiegsjobs, werden zunehmend automatisiert — mit direkten Folgen für Nachwuchsstellen in Agenturen.
Bisher lief Karriereentwicklung nach einem ungeschriebenen Gesetz: unten anfangen, sich durch Routineaufgaben hocharbeiten, dabei Erfahrung für höhere Aufgaben sammeln. Genau diese Basis bricht gerade weg — mit einer Folge, die in der aktuellen Debatte oft zu kurz kommt.
Arbeitsmarktexperten warnen ausdrücklich davor, die Entwicklung von Nachwuchskräften aus den Augen zu verlieren: Wer Ausbildungsprogramme streicht oder weniger Berufseinsteiger einstellt, dem fehlen in einigen Jahren die erfahrenen Fachkräfte, die aus genau diesen Junior-Jahrgängen hervorgehen würden. Kurzfristige Kostenersparnis kann so zu einem mittelfristigen Fachkräfteproblem werden — zusätzlich zum ohnehin bestehenden demografischen Fachkräftemangel.
Die Konsequenz ist nicht, den Berufseinstieg abzuschaffen, sondern ihn neu zu denken. Wenn die klassische Routinearbeit als Lernfeld wegfällt, braucht es andere Wege, Berufseinsteiger aufzubauen.
Wer heute einsteigt, sollte früh lernen, KI-Ergebnisse zu steuern und zu verifizieren — statt jahrelang selbst die Routineaufgaben abzuarbeiten, die eine KI heute schneller erledigt.
Klassische „Learning by Fleißarbeit"-Modelle greifen nicht mehr. Wer weiterhin Nachwuchs aufbauen will, muss gezielt Lernpfade schaffen, die strategisches Denken früher fördern als bisher üblich.
In einem Markt mit 42 % weniger Einstiegsstellen zählt, sich mit konkret nachweisbaren KI-Kompetenzen von der breiten Masse an Bewerbungen abzuheben — nicht nur mit einem Abschluss.
Laut Stepstone ist kein „nachhaltiger Umschwung" in Sicht. Das ist keine vorübergehende Konjunkturdelle, sondern eine strukturelle Verschiebung, auf die sich Arbeitsmarkt und Bildungswege einstellen müssen.
Sie entsteht dort, wo Unternehmen weiterhin so ausbilden, als gäbe es diese Verschiebung nicht — und ihre eigene Fachkräfte-Pipeline für die nächsten zehn Jahre stillschweigend abschneiden.
Die Zahlen von Stepstone und die Lünendonk-Erhebung zeichnen kein Randphänomen, sondern eine strukturelle Verschiebung des Arbeitsmarkts. KI trifft zuerst die Aufgaben am unteren Ende der Karriereleiter — nicht, weil Berufsanfänger weniger wert wären, sondern weil ihre klassischen Einstiegsaufgaben genau die sind, die sich am leichtesten automatisieren lassen.
Die kurzfristig verlockende Reaktion, einfach weniger Junioren einzustellen, ist gleichzeitig die riskanteste: Wer heute an der Ausbildung spart, hat in einigen Jahren keine erfahrenen Fachkräfte mehr, die aus diesen Jahrgängen hervorgehen sollten. Das Problem verschiebt sich nur nach hinten und wird dort teurer.
Für uns bei AGREEMENT ist die Lehre unmittelbar relevant: Auch im Marketing verschiebt sich, was Berufseinsteiger lernen müssen — weg von reiner Umsetzung, hin zu Steuerung und Qualitätskontrolle von KI-Ergebnissen. Wer als Unternehmen jetzt in diese neue Kompetenz investiert, statt sie zu ignorieren, sichert sich einen Vorsprung, den die Konkurrenz erst in ein paar Jahren schmerzhaft nachholen muss.
Quellen: Handelsblatt — Warum KI Berufseinsteiger besonders hart trifft (mit Lünendonk-Erhebung) · Stepstone — Studie zu KI und Jobsuche 2025 · t3n — Berufsanfänger: Weniger Einstiegsjobs. Stand: 09.08.2026.
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