Wie wird mein Betrieb in ChatGPT, Gemini oder Perplexity genannt? Dazu kursieren viele Tipps, meist ohne Beleg. HubSpot hat es ein Jahr lang ausprobiert und gemessen. Ergebnis: Der beliebteste Tipp brachte gar nichts, und das Wirksamste ist erstaunlich handfest.
Aja Frost war bei HubSpot für die Sichtbarkeit in Suchmaschinen zuständig. Jetzt hat sie im Newsletter Growth Unhinged offengelegt, was ihr Team über zwölf Monate ausprobiert hat, um in KI-Antworten genannt zu werden, mit den Ergebnissen, auch den gescheiterten. Am Ende war HubSpot nach eigenen Angaben das am häufigsten sichtbare CRM in KI-Suchen, und qualifizierte Anfragen aus KI-Suchen stiegen um 1.850 Prozent. Spannender als diese Zahl ist, welche Maßnahme was gebracht hat.
Die llms.txt brachte nichts. Das ist eine Datei, die man auf die eigene Website legt, um KI-Systemen eine Übersicht zu geben, und sie wird oft als Pflicht verkauft. HubSpot hat sie eingerichtet und in den Serverprotokollen nachgesehen: Kein KI-Crawler hat sie abgerufen. Frosts Rat ist deshalb schlicht: selbst testen statt dem Hype folgen.
Sehr spezielle Seiten wirkten am stärksten. Das Team hat 141 Seiten für ganz bestimmte Kombinationen aus Branche und Anwendungsfall erstellt, mit KI-Unterstützung. Anfangs wurden 16 Prozent davon in KI-Antworten zitiert, am Ende 92 Prozent. Die Sichtbarkeit stieg um 49 Prozent, das Konzept wurde danach auf die deutsche, spanische, französische und japanische Seite übertragen.
Tempo zählt auch für Maschinen. Viele Seiten bauen sich erst im Browser zusammen, das ist für KI-Crawler mühsam. HubSpot hat den Crawlern fertig aufgebaute Seiten ausgeliefert, die Ladezeit sank auf etwa eine Zehntelsekunde. Die Besuche von KI-Crawlern stiegen um 1.600 Prozent, die Zitate um knapp 40 Prozent.
Weitere Ergebnisse: Preise, die nur per Skript auf der Seite erschienen, gaben KI-Systeme oft veraltet wieder. Eigene Beiträge, die die Preise als klaren Text erklären, verbesserten die Genauigkeit bei fünf von sechs Produkten. Ein Glossar mit 50 Begriffserklärungen hob die Sichtbarkeit bei Einsteigerfragen um 35 Prozent. Und Erwähnungen auf anderen Seiten, vor allem auf Reddit, verdoppelten die Zitate, wobei laut Frost die Menge der Erwähnungen wichtiger war als das Ansehen der einzelnen Seite.
HubSpot ist ein Konzern mit eigenem Team für dieses Projekt und verkauft inzwischen selbst ein Werkzeug für genau diese Sichtbarkeit, nachdem es das dahinterliegende Messwerkzeug Xfunnel übernommen hat. Die 1.850 Prozent mehr Anfragen beziehen sich auf eine Quelle, die vorher noch klein war. Übertragbar sind deshalb nicht die Zahlen, sondern die Richtung: Welche Maßnahmen wirken, welche nicht und in welcher Reihenfolge man misst.
Die wichtigste Lehre passt auch für den Handwerker, die Kanzlei oder den Laden: KI-Systeme zitieren Seiten, die eine ganz bestimmte Frage genau beantworten. Eine allgemeine Seite „Unsere Leistungen“ wird selten genannt. Eine Seite „Badsanierung im Altbau in Offenbach: Ablauf, Dauer, Kosten“ hat viel bessere Chancen, wenn jemand genau das fragt. HubSpot hat dafür Branche mal Anwendungsfall kombiniert, bei dir kann es Leistung mal Ort mal Kundentyp sein.
Zweitens: Was wichtig ist, gehört als lesbarer Text auf die Seite. Preise, Öffnungszeiten, Einzugsgebiet und Ablauf sollten nicht nur in einem Bild, einem PDF oder einem Rechner stecken, sondern in klaren Sätzen dastehen. Sonst erzählt die KI im Zweifel das, was sie irgendwo anders gefunden hat.
Drittens: Eine schnelle Seite hilft doppelt, bei Menschen und bei Maschinen. Und viertens zählt, was andere über dich schreiben. Für einen lokalen Betrieb sind das weniger Reddit-Foren als Bewertungsportale, Branchenverzeichnisse, die Lokalzeitung oder Beiträge in Facebook-Gruppen der Region. Die Menge solcher Erwähnungen wirkte bei HubSpot stärker als einzelne prominente Nennungen.
Beim Messen empfiehlt Frost eine feste Reihenfolge: Erst kommen die Besuche der Crawler, dann die Zitate, dann die Sichtbarkeit, und erst danach die Anfragen. Wer nur auf Anfragen schaut, gibt zu früh auf.
Dass KI-Crawler häufiger vorbeikommen, heißt noch nicht, dass du öfter genannt wirst, und eine Nennung heißt noch nicht, dass jemand anruft. Frag neue Kunden deshalb schlicht, wie sie auf dich gekommen sind, und notiere, wenn ChatGPT, Gemini oder Perplexity genannt wird. Das ist für einen kleinen Betrieb die ehrlichste Messung.
Stell ChatGPT, Gemini und Perplexity je drei Fragen, die ein echter Kunde stellen würde, etwa „Wer macht in meiner Stadt Badsanierung im Altbau und was kostet das ungefähr?“. Notiere, ob du genannt wirst, wer stattdessen genannt wird und welche Seiten die KI als Quelle angibt. Schau dir diese Seiten an: Meist sind es genau die speziellen Seiten, die dir noch fehlen. Schreib die erste davon, und wiederhole den Test nach vier Wochen.
Mir gefällt an dem Bericht am meisten, dass er einen Tipp beerdigt, der gerade überall verkauft wird. Die llms.txt klingt technisch und wichtig, wurde bei HubSpot aber schlicht nicht abgerufen. Das ist eine gute Erinnerung, bei KI-Sichtbarkeit nicht jedem Trend hinterherzulaufen, sondern selbst nachzusehen.
Und das Wirksamste ist beruhigend bodenständig: genaue Antworten auf genaue Fragen, lesbarer Text statt versteckter Informationen, eine schnelle Seite und Menschen, die über dich reden. Das ist gutes Marketing, das es vor der KI auch schon war. Die KI belohnt es nur schneller.
Quellen: Growth Unhinged, „Inside 12 months of AI search experiments“ von Aja Frost (Ergebnisse aller Tests: llms.txt, 141 Seiten mit 16 auf 92 Prozent Zitaten, Ladezeit mit 1.600 Prozent mehr Crawls und knapp 40 Prozent mehr Zitaten, Preisbeiträge, Glossar, Erwähnungen und Reddit, Teilen-Knöpfe, 1.850 Prozent mehr qualifizierte Leads, Messreihenfolge); ergänzend HubSpot, „How HubSpot became the #1 CRM in AI search“, Stand 24.08.2026 (Fallstudie, Übernahme von Xfunnel). Die Beispiele für lokale Betriebe sind unsere Übertragung. Stand: 18.09.2026.
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