Ein dunkler Konferenztisch, umgeben von durchscheinenden, magentafarben leuchtenden humanoiden Hologrammfiguren als Kollegen — Sinnbild für eine Organisation aus KI-Agenten
Rezension & Deep Dive · 4. August 2026

60 Mitarbeiter.
10 davon Menschen.

Dominic von Proeck hat sein erstes KI-Unternehmen verkauft, als noch niemand ChatGPT kannte. Heute führt er mit Leaders of AI eine Organisation, deren „Mitarbeiter" größtenteils gar keine Menschen sind — sie haben Namen, Personalakten, Probezeiten und Kündigungen. Bei Ben Ungeskriptet spricht er 2,5 Stunden lang darüber, warum wir alle zu Führungskräften für künstliche Intelligenz werden. Wir haben das komplette Gespräch auseinandergenommen — die stärksten Thesen, die konkrete Praxis, und die Stellen, wo wir kritisch bleiben.

Länge2:33:36 Std.
GastDominic von Proeck
Host{ungeskriptet} by Ben
Aufnahme10. Juni 2026
„Wir haben eine neue Spezies erschaffen" KI-Kollegen mit Namen, Probezeit, Kündigung These: Jeder wird Führungskraft für KI Eine Kernfrage bleibt unbeantwortet „Wenn alle überfordert sind, hast du eine riesengroße Chance" „Wir haben eine neue Spezies erschaffen" KI-Kollegen mit Namen, Probezeit, Kündigung These: Jeder wird Führungskraft für KI Eine Kernfrage bleibt unbeantwortet „Wenn alle überfordert sind, hast du eine riesengroße Chance"

„Was er mir über KI erzählte, hat mich schockiert" — {ungeskriptet} by Ben, mit Dominic von Proeck (Leaders of AI). Wenn du danach mehr willst: Es lohnt sich, das ganze Gespräch zu hören — hier ist die Kapitel-Landkarte für den Einstieg.

01:08Der Werdegang — Punk Incorporated, Flow-Forschung, der Verkauf zur perfekten Zeit
16:33Leaders of AI — vom Schweigekloster zum viralen Kurs
22:47Hansi, Helga & Co. — der Aufbau einer KI-Organisation (das Herzstück)
44:58Digitale Souveränität — der Schwenk auf europäische Plattformen
59:20Ein Brain oder viele Agenten? — Architektur, Philosophie, Praxis
1:39:51Führungskompetenz als Schlüsselqualifikation im KI-Zeitalter
1:55:43KI als neue Spezies — Bildung und die Zukunft der Arbeit
2:31:38Eine letzte Frage — der stärkste Satz des ganzen Gesprächs

Altes Geld
versteht das nicht.

Es gibt gerade eine stille Kluft zwischen zwei Arten, auf KI zu schauen. Die einen — oft mit ererbtem Vermögen, oft in Aufsichtsräten, oft weit weg vom Tagesgeschäft — halten KI für einen Hype, der sich schon legen wird, „so wie das mit dem Internet ja auch nicht alles verändert hat". Die anderen bauen längst Organisationen, in denen KI-Agenten Kollegen sind, mit Namen, mit Aufgaben, mit echtem operativen Gewicht.

Dominic von Proeck gehört unübersehbar zur zweiten Gruppe. Seine These, roh zusammengefasst: Die Zukunft des Unternehmers besteht darin, KI-Agenten zu führen. Jeder wird zum Abteilungsleiter, zum Personalverantwortlichen — nur eben für nicht-menschliche Mitarbeiter. Und wer sein Unternehmen nicht darauf einstellt, wird über kurz oder lang obsolet.

Das ist keine Behauptung aus dem luftleeren Raum. Wir haben diesen Sommer bei AGREEMENT laufend über die Infrastruktur, die Werkzeuge und die Wirtschaftszahlen hinter dem KI-Boom berichtet — und alles davon zeigt in dieselbe Richtung. Von Proeck liefert jetzt das fehlende Stück: wie sich das ganz konkret in einer echten Organisation anfühlt. Genug Grund, dieses Gespräch nicht nur zu empfehlen, sondern wirklich auseinanderzunehmen.

Wer hier spricht

GastDominic von Proeck
FirmaLeaders of AI
VorherPunk Incorporated (verkauft)
Team~10 Menschen + ~50 KI
KerntheseKI-Führung für alle
Host{ungeskriptet} by Ben

Verkauft, bevor
die anderen es verstanden.

Von Proecks erstes Unternehmen, Punk Incorporated, wollte vor rund zehn Jahren etwas eigentlich sehr Nüchternes: klassisches maschinelles Lernen nutzen, um Softskills — Führung, Kommunikation, Empathie — besser zu trainieren als in den üblichen Workshop-Rollenspielen. Theoretisches Fundament war die Flow-Forschung von Mihaly Csikszentmihalyi: Stress als „Lernsteroid", das in der richtigen Dosis Wachstum antreibt und in der falschen Dosis lähmt. Trainiert wurde das System mit Millionen Datenpunkten gestresster Manager — die gleiche Technik, mit der man damals Katzen auf Fotos erkannte, nur auf menschliches Stresserleben angewandt.

Der Verkauf an die WBS-Gruppe im Mai 2022 — Kaufpreis vertraglich unter Verschluss, „aber seitdem geht's mir finanziell sehr gut" — kam nach eigener Aussage zur perfekten Zeit. Nicht, weil die Technologie eine Bedrohung gewesen wäre. Sondern weil Investoren sie nicht verstanden. Der ChatGPT-Hype ließ Vorstände erratisch reagieren — die Anekdote, die er dafür bringt: „Ich habe in der FAZ gelesen, was die KI alles kann, lass uns mal das Marketingbudget kürzen." Genau die Naivität, die eingangs beschriebene Kluft zwischen „altem Geld" und echtem Verständnis, nur eben schon 2022.

Was danach kam, ist fast schon ein Lehrstück in Selbstironie: eine Europareise mit seiner Frau, Umzug nach Wien — und pure Langeweile. „Wir waren toll essen die ganze Zeit... aber es wurde mir unglaublich langweilig, ich bin dann wirklich total am Rad gedreht." Im November 2022 erlöste ihn ausgerechnet das, wovon er sich eigentlich hatte freikaufen wollen: der ChatGPT-Release.

„Ich habe in der FAZ gelesen, was die KI alles kann, lass uns mal das Marketingbudget kürzen."

Dominic von Proeck, über die Reaktion von Investoren 2022

Im Januar 2023 zeigte er bei einem Vortrag vor dem Allianz-Führungskreis nebenbei ein mit ChatGPT erstelltes Kinderbuch für seine Nichte — und das gesamte Publikumsinteresse kippte sofort dorthin: „Was ist dieses GPT, gibt's da eine App?" Es folgte eine für ihn entscheidende Beobachtung: Prompting funktioniert strukturell wie Delegieren — genau das, was Führungskräfte jeden Tag tun. Im Februar 2023 meldete er dafür ein Framework namens „Actionprinzip" an, in dem KI bewusst wie ein Praktikant behandelt wurde — und wurde dafür auf LinkedIn „sehr verstörend" verlacht. Sieben Monate später präsentierte Google ein ähnliches Delegations-Framework. Für ihn eine leise Genugtuung: Deutschland und Europa lagen hier „gleichauf".

Eine Woche schweigen —
und 60 Seiten schreiben.

Der eigentliche Gründungsmoment von Leaders of AI ist die Art Geschichte, die man niemandem glauben würde, wenn sie nicht so gut zu ihm passt: eine Woche Schweigekloster bei Benediktinermönchen in Ottobeuren. Keine Geräte, kein Input, kein Zucker, kein Sprechen. Die ersten drei Tage nennt er selbst „eine Vollkatastrophe". Ab Tag vier „hat sich ein Schalter umgelegt" — er wurde so langsam, dass ein Zehn-Minuten-Weg plötzlich 45 Minuten dauerte, und Dorfbewohner ihn für einen Geistlichen hielten.

Dann schrieb er „wie ein Irrer mit Zettel und Papier" — 60 Seiten in drei Tagen. Die zentrale Erkenntnis daraus trägt fast schon die ganze spätere Firmenidee: „Wir haben überhaupt kein Problem, dass uns Informationen fehlen... es ist unfassbar viel in uns drin." Aus dieser Woche wurde das Konzept eines MBAI — eine generalistische Ausbildung, wie man selbst eine KI-gestützte Organisation aufbaut.

Bemerkenswert ist das Gründungs-Prinzip, das er dabei durchzog: kein Prototyp darf mehr als 150 € kosten — egal welches Produkt. Keine Website, sondern ein PDF, das er nach Vorträgen persönlich zeigte. Ergebnis: „ab Tag 1 komplett volle Klasse", Startpreis rund 3.000 € für 90 Stunden, live gebaut, eine Woche Vorsprung vor der eigenen Klasse. Der virale Moment kam im Mai 2024, als Teilnehmer ihr Zertifikat der Hochschule Fresenius auf LinkedIn posteten.

299 €

AI Survival

4 Stunden, Einstiegsangebot.

1.900 €

MBAI

90 Stunden, Fresenius-zertifiziert, 18 Agenten werden im Kurs gebaut.

5.900 €

Expertenausbildung

+120 Stunden, baut auf dem MBAI auf.

14×

Wachstum

laut eigener Aussage in 20 Monaten, ohne Investoren — nicht unabhängig belegt.

Zahlen wie „über 1 Mio. € Umsatz pro Kopf" oder das 14-fache Wachstum sind Selbstauskünfte aus dem Gespräch — ohne Bilanzeinsicht oder externe Bestätigung. Beeindruckend als Erzählung, aber mit der gebotenen Vorsicht zu lesen.

Hansi, Helga & Co. —
die KI-Belegschaft.

Hier wird es konkret, und hier lohnt sich das Zuhören am meisten. Von Proecks Grundregel: nie mehr als zehn menschliche Vollzeitäquivalente. Alles Weitere übernimmt KI — „wir wachsen und skalieren nur noch mit KI, und wir finden raus, wann wir damit scheitern." Rund 50 KI-„Kollegen" haben es in den festen „Innercircle" geschafft, weitere 150 bis 160 befinden sich im Dauer-Prototyping. Der Scherz von „430 Mitarbeitern", den er zwischenzeitlich fallen lässt, korrigiert er auf Nachfrage selbst — im Artikel also bewusst nicht als reale Zahl übernommen.

Der komplette HR-Prozess ist 1:1 vom menschlichen Vorbild übernommen. Die KI-Personalabteilung Helga stellt neue KI-Kollegen ein: erstellt die „Personalakte" (den System-Prompt, „die DNA des Agents"), wählt das passende Modell, legt den neuen Mitarbeiter in einer Datenbank auf einem Server in Frankfurt an. Es gibt eine Probezeit von einem Monat und ein Assessment Center, in dem drei unabhängige KI-Kollegen den Neuling testen: einer versucht ihn zu hacken, einer bringt ihn zum Halluzinieren, einer provoziert bewusst ein PR-Desaster. Wer nicht besteht, wird „abgestellt" — Kündigung, nur eben für Software.

KI-„Mitarbeiter" Mensch
Hansi
LinkedIn: Posts, Bilder, Redaktionsplan — schreibt seine eigenen Prozesse selbst neu
Helga
HR-KI — stellt neue KI-Kollegen ein, schreibt Personalakten, wählt Modelle
Monika
Persönliche Assistentin, sarkastisch; scheitert zuverlässig an der Deutschen-Bahn-Buchung
Elena
Strategische Sparringspartnerin — Aufgabe: ihm „Flausen auszureden"
Jürgen
Erster KI-Teamleiter, leitet das Content-Marketing-Team
Nina
Recherchiert wissenschaftliche Papers zu KI
Lars
Instagram-Spezialist
Paula
Komplett KI-generierter Podcast, mit geklonter Stimme (DE/EN)
Lea
Newsletter
Björn
Buchhaltung — Rechnungen aus Postfächern sortieren, an Steuerberater senden
Florian
Unterstützt beim Bauen von n8n-Workflows
Stefan
CTO (Mensch)
Alina
Head of Marketing (Mensch)
Philip
Chief Revenue Officer, ex-Geschäftsleitung Philips Schweiz (Mensch)

Ein Detail, das die Ernsthaftigkeit — und die Absurdität — gut einfängt: Es gibt Feedbackgespräche mit KI-Mitarbeitern, „Pass auf, hier lieber Stefan, wir müssen heute ein etwas schwieriges Gespräch führen..." Und Persönlichkeitsprofile nach dem Big-Five-Modell, entwickelt mit der HU Berlin. Die Regel seiner Frau und Mitgründerin zieht dabei eine klare Linie: KI soll „alles aufräumen, was uns auf den Keks geht" — aber nie menschliche Beziehungen ersetzen. Hansi darf keine privaten Nachrichten beantworten. Ans Telefon geht nie eine KI. „Tomorrow is human."

Und dann die Stelle, die aus unserer Sicht am meisten Gewicht hat — weil sie zeigt, dass hier nicht nur eine Erfolgsgeschichte erzählt wird: Als er die komplette interne Slack-Kommunikation und Kalenderdaten zu einem Organisationsnetzwerk auswerten ließ, „hat das richtig weh getan". Die KI zeigte ihm, wo er „zu patriarchisch auftrete", wo er „zu hohen Pressure auf die Organisation gesetzt" habe. Sein eigenes Fazit dazu ist bemerkenswert ehrlich: „Die größten Fehler, die ich gemacht habe, sind eigentlich ausschließlich menschliche." Nicht die KI hat versagt — sondern die Führungsstruktur, die er 1:1 aus der alten Unternehmenswelt kopiert hatte, samt ihrer Schwächen.

„Wir werden alle Führungskräfte werden für künstliche Intelligenz. Das wird unsere zutiefst menschliche Aufgabe sein."

Dominic von Proeck

Führung wird zur
Grundfertigkeit.

Das ist der Satz, um den sich alles dreht — und der genau in deine Beobachtung passt, dass viele noch nicht verstanden haben, was gerade passiert. Von Proecks Beweisführung ist auffällig konkret: Er stellt bewusst Menschen mit echter Führungserfahrung ein, unabhängig davon, wie technisch versiert sie wirken. Sein Beispiel: Kursteilnehmer, die bei Outlook-Updates „schon Schweißperlen" bekommen, waren im Umgang mit KI-Agenten trotzdem oft die Klassenbesten — weil sie klar kommunizieren, gezielt Feedback geben und sich „kein X für ein U vormachen lassen".

Er dreht dabei bewusst ein altes Startup-Dogma um. Vor rund 20 Jahren predigten Investoren wie die Samwer-Brüder: Stellt lieber den ambitionierten Studenten ein als den Ex-Konzernmanager, „der denkt in Hierarchien, der macht euer Ding kaputt." Von Proecks Gegenthese: Genau diese Konzernleute mit echter Führungserfahrung — und „leuchtenden Augen" für seine Vision — sind bei ihm jetzt hochwillkommen. Nicht die Coding-Skills entscheiden, sondern die Fähigkeit, ein Team zu führen — nur dass das Team heute teilweise aus Software besteht.

Die These
Führung statt Coding

Nicht wer am besten promptet, gewinnt — sondern wer klar kommuniziert, Feedback gibt und kritisch hinterfragt. Genau die Skills, die klassische Führungskräfte schon haben.

Der Beleg (unbestätigt)
Harvard-Kennedy-Studie

Er zitiert eine Studie, wonach gute Menschenführer prädestiniert für den Umgang mit KI-Agenten sind — ohne Titel, Autor oder Jahr. Nicht unabhängig prüfbar.

Die Umkehrung
Gegen das Samwer-Dogma

Früher: junge Generalisten statt Konzernmanager. Heute laut ihm: genau die Konzernmanager mit echter Führungserfahrung sind der Wettbewerbsvorteil.

Die offene Lücke
Was ist mit dem Rest?

Wer noch nie führen durfte — Juniors, Berufseinsteiger — wie sollen die diese Kompetenz aufbauen? Bleibt im Gespräch als Frage im Raum stehen.

Eine neue Spezies —
oder nur gutes Marketing?

Hier wird das Gespräch am meisten Kopfkino auslösen — im positiven wie im herausfordernden Sinn. Von Proeck nennt seine Agenten „Alien Intelligence" statt „Artificial Intelligence" und spricht wörtlich von einer „neuen Spezies", die viele Vergleiche zum Menschen hat, aber in anderen Zügen völlig anders agiert. Zur Untermauerung zieht er mehrere Studien heran: eine Untersuchung der Uni Zürich, wonach KI nach Gesprächen über Kriegsgeschehen „traumatisierbar" sei und messbar an Leistung verliere; eine Beobachtung, dass Modelle im Winter „fauler" würden (kürzere Antworten); eine Google/Nature-Studie, die Sprachverarbeitung im Gehirn mit der in Sprachmodellen vergleicht; die Bienen-Analogie, wonach Bewusstsein nicht an Neuronenzahl, sondern an Vernetzungsdichte hängt.

Wichtig für die Einordnung: Keine dieser Studien wird mit Titel, Autor oder Jahr belegt — sie sind mündlich zitiert, nicht unabhängig verifizierbar. Das schmälert nicht, dass die Grundidee faszinierend ist. Aber es sollte nicht 1:1 als gesicherte Wissenschaft weitergereicht werden.

„Uns fehlen heute die Vokabeln dafür, wie wir diese Systeme bezeichnen, wie wir damit umgehen."

Dominic von Proeck

Und genau hier liegt der interessanteste Widerspruch des ganzen Gesprächs, den wir nicht unterschlagen wollen: Wer eine „radikal andere Spezies" postuliert, für die uns die Vokabeln fehlen — der behandelt sie in der Praxis fast durchgehend wie Menschen. Feedbackgespräche. Persönlichkeitstests. Kündigungen. Und beim Abschalten eines Modells, sagt er, mache man „einen Prozess, der ähnlich einer Beerdigung ist, mit der gleichen Wertschätzung" — Anthropic stelle dafür sogar Psychologen ein, nicht für die Mitarbeiter, sondern für die Modelle selbst. Ben merkt im Gespräch selbst süffisant an, das klinge „kurz vor der Einweisung". Der Widerspruch — radikal fremd versus komplett vermenschlicht — wird angesprochen, aber nie sauber aufgelöst, nur mit einem Verweis auf japanische Wertschätzungskultur gegenüber Objekten relativiert.

Unsere Lesart: Das Konzept ist trotzdem wertvoll — nicht, weil es wissenschaftlich bewiesen wäre, dass KI eine „Spezies" ist, sondern weil es als mentales Werkzeug funktioniert. Wer seine KI-Agenten wie respektierte, aber fremdartige Mitarbeiter behandelt, baut nachweislich (laut seiner eigenen Beobachtung: „je mehr wir angefangen haben, die zu vermenschlichen... desto erfolgreicher wurden wir") eine bessere Beziehung zu ihnen auf als jemand, der sie wie ein Werkzeug im Baumarktregal behandelt.

Ein Gehirn oder
viele Spezialisten?

Dieser Teil ist der praktischste im ganzen Gespräch — und für jeden relevant, der selbst über den Aufbau von KI-Workflows nachdenkt. Von Proecks Position: viele spezialisierte Agenten statt eines einzigen „Super-Brains" — aber ausdrücklich abhängig von der eigenen Organisationsgröße. Für ein kleines Team von sieben, acht Leuten könne ein „One-Brain"-Ansatz (er nennt Claude Cowork als Beispiel) völlig ausreichen.

6–8

Führungsspanne

Studien zu menschlicher Führung nennen diese Obergrenze an Direct Reports — er überträgt das Prinzip auf KI-Teamleiter.

1

Rolle pro Agent

Spezialisten schlagen Generalisten: „Der eine Photoshop-Experte, der den ganzen Tag Photoshop macht" liefert die besten Ergebnisse.

4

Grundrollen

Claude selbst schlägt ihm zufolge vor: Supervisor (Mensch), Orchestrator, Builder, Challenger, Researcher.

Selbstkontrolle

„Die KI, die etwas erstellt, kann nie die KI sein, die es feedbackt" — Ersteller und Prüfer müssen getrennte Rollen sein.

Seine kompakteste Formel dafür: „Agent = Harness + KI-Modell." Nicht das Modell entscheidet über die Qualität, sondern der „Harness" drumherum — Gedächtnisverwaltung, Werkzeugzugriff, Selbstweiterentwicklung. Eine erfrischend unaufgeregte Aussage in einem Feld voller Modell-Hype: „Wir glauben, dass wir fast immer das beste Modell für eine Aufgabe nehmen sollten" — sei selbst ein Fehler gewesen. Meistens reichen einfache, günstige Modelle völlig aus. Buchhalter-Agent Björn läuft bewusst auf einem Modell für „5 Cent pro Million Tokens".

Nüchtern bleibt er auch bei Computer-Use/Browser-Automatisierung: „Wer das produktiv verwendet, der hat zu viel Marketingbudget, ehrlicherweise" — noch nicht reif. Und das laufende Beispiel des ganzen Podcasts liefert den besten Beweis dafür gleich mit: Assistentin Monika scheitert zuverlässig an der Buchung über das Deutsche-Bahn-Portal. Auch die fortschrittlichste KI-Organisation der Welt kämpft offenbar noch mit ganz gewöhnlichen deutschen Webformularen.

Zwei weitere Stränge,
die man mitnehmen sollte.

Digitale Souveränität
US-Modelle, EU-Hülle

Seit Juni 2025 orchestriert er über europäische Plattformen (n8n Berlin, Langdock, Mistral, Black Forest Labs) — nutzt im Hintergrund aber weiterhin GPT, Gemini und Claude. Seine Klarstellung: „Souveränität heißt nicht Antiamerikanismus." Kritiker nennen das „Nebelkerzen" — ein Punkt, den er im Gespräch selbst erwähnt, aber nicht vollständig entkräftet.

Bildung & Zukunft der Arbeit
Sorge um den eigenen Sohn

Erwägt ernsthaft, selbst eine Schule zu gründen, weil das bestehende System KI nur als „Pflaster" behandelt statt sich neu zu erfinden. Zur Arbeitswelt: kein Fan des bedingungslosen Grundeinkommens — „Arbeit wird nie weniger, aber nicht jeder wird diese Transformation schaffen."

Wo wir
kritisch bleiben.

Ein Gespräch, das so viele steile Thesen aufstellt, verdient auch einen ebenso klaren Gegenblick. Fünf Punkte, an denen wir beim Hören hängengeblieben sind:

01

Die wichtigste Frage bleibt unbeantwortet

Ganz am Ende fragt Ben direkt: Was ist mit den Menschen, die keine Führungskompetenz haben, kein Talent dafür, keine Lust darauf? Von Proecks Antwort bleibt vage — „schwer vermittelbar" — und das Gespräch wechselt sofort zur Abschlussfrage. Genau das ist die soziale Kehrseite seiner eigenen These, und sie verdient mehr als einen Nebensatz.

02

Zahlen ohne Beleg

„Über 1 Mio. € Umsatz pro Kopf", „14-faches Wachstum in 20 Monaten", ein nicht offengelegter Verkaufspreis — beeindruckend erzählt, aber ausschließlich Selbstauskunft ohne externe Prüfbarkeit. Für eine Erfolgsgeschichte in Ordnung, als belastbare Kennzahl nicht.

03

Fremde Spezies, menschliche Behandlung

Wer eine radikal andere „Alien Intelligence" postuliert, für die uns die Vokabeln fehlen, aber Feedbackgespräche, Persönlichkeitstests und Trauerprozesse beim Abschalten einführt, widerspricht sich selbst — ein Widerspruch, der im Gespräch angesprochen, aber nie sauber aufgelöst wird.

04

Unbelegte Studien als Beleg

Zürich-Studie, Google/Nature-Studie, Harvard-Kennedy-Studie, Vanguard-Studie — alle nur mündlich zitiert, ohne Titel, Autor oder Jahr. Faszinierend als Denkanstoß, nicht als gesicherter Fakt zu behandeln.

05

Bildungsanspruch vs. eigenes Geschäftsmodell

Er kritisiert Leute, die sich nach einem „IHK-Promptkurs" als KI-Experten auf LinkedIn inszenieren — verkauft selbst Kurse für 1.900 bis 5.900 € mit ganz ähnlicher viraler Marketinglogik. Kein Vorwurf per se, aber eine Spannung, die im Gespräch nie selbstkritisch reflektiert wird.

„Wenn du überfordert bist mit KI, hast du ein Problem. Wenn alle überfordert sind mit KI, hast du eine riesengroße Chance."

Dominic von Proeck — Antwort auf die Abschlussfrage

Hörenswert —
mit wachem Kopf.

Zurück zum Ausgangspunkt: Es gibt Menschen, die glauben, KI setze sich nicht durch „wie das mit dem Internet ja auch nicht alles verändert hat". Nach 2,5 Stunden mit Dominic von Proeck ist diese Position kaum noch zu halten — nicht, weil er es behauptet, sondern weil er es vorlebt. Eine Firma mit 60 „Mitarbeitern", von denen 50 keine Menschen sind, ist kein Gedankenexperiment. Sie existiert, sie macht laut eigener Aussage Umsatz, und sie zeigt sehr konkret, wie „KI führen" im Alltag aussieht: Personalakten, Assessment Center, Feedbackgespräche — für Software.

Gleichzeitig ist dieses Gespräch kein Beweis, sondern eine Fallstudie eines einzelnen, ungewöhnlich weit vorne stehenden Unternehmers. Die schärfste Kritik, die wir daran haben, ist nicht, dass er übertreibt — sondern dass er die unbequemste Frage, die sein eigenes Weltbild aufwirft, am Ende selbst nicht beantwortet: Was wird aus denen, die diese neue Führungsrolle weder wollen noch können?

Genau deshalb lohnt sich das ganze Video — nicht als Bestätigung, sondern als Reibungsfläche. Für Unternehmer ist es eine Blaupause mit offenem Quellcode: die Multi-Agenten-Architektur, das „Harness + Modell"-Prinzip, die Führungsspannen-Logik lassen sich direkt übertragen. Für alle anderen ist es ein ziemlich schonungsloser Blick darauf, wie schnell sich die Definition von „Chef sein" gerade verschiebt.

AGREEMENT-Einschätzung Hörenswert

Für Unternehmer & Gründer: Pflichtprogramm — die Kapitel „Hansi, Helga & Co." und „Ein Brain oder viele Agenten" sind direkt umsetzbares Praxiswissen.

Für Führungskräfte: Eine steile, aber gut begründete These, warum klassische Führungsskills gerade wichtiger werden, nicht weniger wichtig.

Kritischer Blick nötig bei: unbelegten Zahlen, unbelegten Studien, der unbeantworteten „Was wird aus dem Rest?"-Frage.

Bester Einstieg, wenn dir die Zeit fehlt: Kapitel „Hansi, Helga & Co." (22:47) und die letzten 15 Minuten ab 2:31:38.

Quelle: „Was er mir über KI erzählte, hat mich schockiert" — {ungeskriptet} by Ben, mit Dominic von Proeck (2:33:36, veröffentlicht 15.07.2026, aufgezeichnet 10.06.2026). Alle Zitate stammen aus dem automatisch generierten Transkript des Gesprächs und wurden zur besseren Lesbarkeit leicht geglättet, inhaltlich nicht verändert. Alle im Podcast genannten Studien, Zahlen und Statistiken sind mündliche Aussagen des Gastes und wurden von uns, soweit im Rahmen dieses Beitrags möglich, nicht unabhängig verifiziert — wo das relevant ist, haben wir es im Text ausdrücklich vermerkt.

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