Google hat Gemini 3.8 Flash vorgestellt und die Vergleichstabelle gleich mitgeliefert. Zwei Zahlen darin sind wichtiger als das Modell: Der günstige Preis läuft am 31. Dezember aus. Und beim Test für juristische Abläufe schafft der Beste 10 Prozent.
Google hat am 7. September Gemini 3.8 Flash veröffentlicht. Interessant ist nicht das Modell, davon kommt jede Woche eines. Interessant ist, dass Google die Vergleichstabelle gleich mitschickt, samt Preisen der Konkurrenz. Wer sie ganz liest, findet zwei Zahlen, die in keiner Schlagzeile stehen. Eine davon steht klein an den Preisen, die andere ganz unten in der Tabelle.
Gemini 3.8 Flash kostet 0,75 Dollar je Million Tokens im Eingang und 3,75 im Ausgang. In Googles eigener Tabelle stehen daneben Claude Opus 5 mit 5 und 25 Dollar und GPT 5.6 Sol mit 4 und 20. Bei der Ausgabe ist das je nach Vergleich das Fünf- bis Siebenfache. Bei den Gütezahlen liegen die drei dagegen dicht beieinander: im Programmier-Test DeepSWE 73,7 gegen 74,0 gegen 72,7 Prozent, beim Terminal-Test 89,4 gegen 89,1 gegen 88,8.
Dazu kam eine zweite Fassung, die in der Mail an Entwickler gar nicht auftaucht: Gemini 3.8 Flash Cyber, ein Modell für Sicherheitsarbeit, das Schwachstellen findet und Korrekturen selbst schreibt. Es gibt sie nicht frei, sondern nur über ein Programm für Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur.
Der eigentliche Fund steht als Fußnote an den Preisen. In der Ankündigung auf dem Google-Blog steht, dass 0,75 und 3,75 Dollar Einführungspreise bis zum 31. Dezember 2026 sind. Ab dem 1. Januar 2027 kostet dasselbe Modell 1,50 und 7,50 Dollar. Das ist keine Preiserhöhung im Kleingedruckten, das ist eine Verdopplung mit Datum, angekündigt am Tag der Veröffentlichung.
Google hat die Werte gemessen, die Vergleichsmodelle ausgesucht und die Tests bestimmt. Kein unabhängiges Labor hat das nachgerechnet. Wer Preise vergleicht, sollte außerdem wissen, dass die genannten Konkurrenzpreise Listenpreise sind, ohne Rabatte, ohne zwischengespeicherte Eingaben und ohne die Stufen, die bei langen Anfragen greifen können. Wir hatten genau so einen Fall gerade bei GPT-6 Astra.
Ganz unten in derselben Tabelle steht ein Test für komplexe juristische Abläufe. Der beste Wert dort ist 10,0 Prozent, und er gehört Gemini 3.8 Flash. Die anderen liegen bei 8,8, bei 6,7 und bei 2,5 Prozent.
Zehn Prozent heißt: neun von zehn Aufgaben nicht gelöst. In einer Bestenliste, die der Hersteller selbst zusammengestellt hat und in der er naturgemäß gut aussehen will.
Genau dieser Abstand ist die Nachricht. Beim Programmieren, wo es klare Vorgaben, klare Tests und ein klares Richtig gibt, liegen alle bei etwa 90 Prozent. Bei Arbeit, die Aktenlage, Auslegung und Haftung verbindet, liegen alle im einstelligen bis knapp zweistelligen Bereich. Das ist kein Zufall und keine Frage des nächsten Modells. Es ist die Grenze zwischen einer Aufgabe, die man vollständig beschreiben kann, und einer, die man verantworten muss.
Diese Tests messen, ob ein Modell einen kompletten Fall allein durchbringt. Das ist die härteste Messlatte. In der Praxis wird KI in solchen Bereichen nicht allein gelassen, sondern sortiert vor, findet Textstellen und schreibt Entwürfe. Dafür kann sie sehr nützlich sein, obwohl sie in diesem Test bei 10 Prozent landet. Die Zahl widerlegt nicht den Nutzen, sie widerlegt das Versprechen der Vollautomatik.
Wenn ein Modell mit fast gleicher Leistung ein Siebtel kostet, verschwindet der Vorsprung, den ein Anbieter aus dem Zugang zu einem teuren Werkzeug zieht. Das ist dieselbe Bewegung wie bei der Transkription, die vom Sonderfall zur Selbstverständlichkeit wurde. Wer sein Angebot damit begründet, dass er ein bestimmtes Modell benutzt, verkauft ab jetzt Wasser. Verkauft wird, was ihr damit anstellt, und ob das Ergebnis stimmt.
Ich lese Herstellertabellen inzwischen von unten nach oben. Oben stehen die Werte, die gut aussehen, unten die, die zeigen, wo die Grenze verläuft. In diesem Fall ist der Unterschied zwischen 89 Prozent beim Programmieren und 10 Prozent bei juristischer Arbeit die ehrlichste Aussage der ganzen Ankündigung, und sie kommt vom Hersteller selbst.
Und ich rechne Einführungspreise nicht in Angebote ein. Ein Preis mit Ablaufdatum ist ein Werbepreis. Wer im Herbst kalkuliert und im Januar die Verdopplung erklärt, hat ein Gespräch am Hals, das er sich hätte sparen können. Rechnet mit dem Preis, der ab Januar gilt. Wenn es dann immer noch aufgeht, geht es wirklich auf.
Quelle: Google, „Gemini 3.8 Flash and 3.8 Flash Cyber" vom 7. September 2026, dazu die Ankündigung an API-Entwickler aus Google AI Studio vom selben Tag, aus der die Vergleichstabelle stammt, und Googles Auswertungsunterlagen. Sämtliche Werte sind Herstellerangaben. Stand: 07.09.2026.
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