KI & Gesellschaft · 3. September 2026

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zehn Minuten gelesen.

Es gibt ein Wort für die KI-Textwüsten, die Kollegen und Kunden inzwischen verschicken: Workslop. Rund 40 % der Angestellten bekommen ihn laut einer Studie im Harvard Business Review jeden Monat. Warum der Aufwand dabei asymmetrisch ist, was dagegen hilft und welche eine Regel im Betrieb reicht.

Lesedauer4 Minuten
KategorieKI & Gesellschaft
Betroffenrund 40 % pro Monat
Stand3. September 2026
WORKSLOP: KI-INHALT, DER WIE GUTE ARBEIT AUSSIEHT, DIE AUFGABE ABER NICHT VORANBRINGT RUND 40 % VON 1.150 BEFRAGTEN US-ANGESTELLTEN BEKAMEN IHN IM VORMONAT, LAUT HBR-STUDIE DER AUFWAND IST ASYMMETRISCH: FAST NULL BEIM ERZEUGEN, VOLL BEIM LESEN ABER: NICHT JEDER KI-TEXT IST SLOP. WER SELBST ARBEIT HINEINSTECKT, SCHICKT KEINEN WORKSLOP: KI-INHALT, DER WIE GUTE ARBEIT AUSSIEHT, DIE AUFGABE ABER NICHT VORANBRINGT RUND 40 % VON 1.150 BEFRAGTEN US-ANGESTELLTEN BEKAMEN IHN IM VORMONAT, LAUT HBR-STUDIE DER AUFWAND IST ASYMMETRISCH: FAST NULL BEIM ERZEUGEN, VOLL BEIM LESEN ABER: NICHT JEDER KI-TEXT IST SLOP. WER SELBST ARBEIT HINEINSTECKT, SCHICKT KEINEN

Die Arbeit verschwindet nicht.
Sie wandert.

Jeder kennt die Mail: drei Bildschirmseiten, saubere Absätze, Aufzählungen mit fetten Überschriften, und nach zwei Absätzen ist klar, dass das kein Mensch geschrieben hat. Der Entwickler Sean Goedecke hat diese Woche aufgeschrieben, wie man sich dagegen wehrt. Und weil das Phänomen inzwischen einen Namen und Zahlen hat, lohnt ein Blick auf beides.

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Sieht aus wie Arbeit,
ist aber keine.

Geprägt wurde „Workslop" im September 2025 von BetterUp Labs und dem Stanford Social Media Lab im Harvard Business Review: KI-generierter Arbeitsinhalt, der wie gute Arbeit aussieht, aber nicht die Substanz hat, eine Aufgabe sinnvoll voranzubringen. Der Begriff überträgt den „AI Slop" aus den sozialen Netzwerken auf Berichte, Präsentationen und Mails im Job. In der zugehörigen Befragung von 1.150 US-Vollzeitangestellten gaben rund 40 % an, im Vormonat Workslop erhalten zu haben.

Der Kern des Problems steht bei Goedecke in einem Satz: Der Aufwand ist asymmetrisch, „wie ein Denial-of-Service-Angriff". Text mit KI zu erzeugen kostet fast nichts, ihn zu lesen kostet weiterhin Zeit. Die HBR-Autoren beschreiben dieselbe Mechanik als Verschiebung: Workslop verlagert die Arbeit nach unten zum Empfänger, der interpretieren, korrigieren oder neu machen muss.

ABER: Nicht jeder KI-Text ist Slop

Goedecke grenzt selbst ab: Wenn der Absender echte eigene Arbeit in den Text gesteckt hat, ist der Aufwand nicht asymmetrisch, und dann ist es kein Slop, auch wenn es nach KI klingt. Die 40 % stammen aus einer US-Befragung eines Anbieters für Coaching-Software; Zahlen für deutsche Betriebe gibt es nicht. Und manche Berichte, so Goedecke, sind ohnehin nie zum Lesen gedacht, sondern als Nachweis, dass jemand etwas bedacht hat.

Workslop in Zahlen

Begriff geprägtHBR, September 2025
VonBetterUp Labs, Stanford Social Media Lab
Befragte1.150 US-Angestellte
Im Vormonat betroffenrund 40 %
MechanikAufwand wandert zum Empfänger
Zahlen für Deutschlandkeine
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Fünf Wege,
sich zu wehren.

Goedeckes Liste ist bewusst pragmatisch. Erstens: Wer die Position dazu hat, sagt dem Absender schlicht, er soll es lassen. Zweitens: Wer einen Kollegen hat, der nur noch Nachrichten in ein KI-Werkzeug kopiert, behandelt ihn wie eine langsame Schnittstelle zu genau diesem Werkzeug. Drittens, vor allem gegenüber Vorgesetzten: KI mit KI bekämpfen, den Text vom eigenen Modell auf die Kernpunkte eindampfen lassen oder gleich die Antwort erzeugen, auch wenn man damit Teil des Problems wird.

Viertens: auf ein Telefonat oder Treffen bestehen. Niemand kann am Telefon Slop absondern, und wer Zeit investieren muss, sortiert sich selbst aus. Fünftens: manches ignorieren, überfliegen, später lesen oder nie. Wer etwas wirklich will, sagt es in eigenen Worten. Das ist der Punkt, an dem aus einem Ärgernis eine Betriebsregel wird.

Die eine Regel für den Betrieb

Wer KI-Text weiterleitet, schreibt drei eigene Sätze darüber: Was steht drin, was ist neu, was soll der Empfänger tun. Wer diese drei Sätze nicht schreiben kann, hat den Text selbst nicht gelesen und sollte ihn nicht verschicken. Das gilt intern, gegenüber Kunden und gegenüber Lieferanten. Die Regel kostet den Absender 60 Sekunden und macht den Aufwand wieder symmetrisch.

Goedeckes Gegenmittel

1Absender bitten, es zu lassen
2Kollegen als Schnittstelle behandeln
3KI mit KI eindampfen
4Telefonat statt Text
5Ignorieren, wenn niemand nachfragt
Betriebsregeldrei eigene Sätze

Wer drei eigene Sätze dazu schreiben kann, darf den KI-Text schicken. Sonst nicht.

Die Regel ist keine KI-Verbotsregel. Sie stellt nur sicher, dass der Absender die Arbeit gemacht hat, die er vom Empfänger erwartet.

KI ist nicht das Problem.
Der fehlende Absender ist es.

Ich arbeite den ganzen Tag mit KI-Text, und fast alles, was hier auf der Seite steht, ist mit Werkzeugen entstanden. Der Unterschied zu Workslop ist nicht das Werkzeug, sondern ob jemand dahintersteht, der den Text gelesen, geprüft und sich zu eigen gemacht hat. Genau deshalb steht unter jedem Artikel hier eine Quelle und ein „Mein Fazit", und deshalb bekommt jede Mail, die ich mit KI vorbereite, oben drei Sätze von mir.

Für einen Betrieb mit fünf oder fünfzig Leuten ist Workslop kein Technikproblem, sondern ein Führungsproblem. Wer KI einführt, ohne zu sagen, wie man damit kommuniziert, bekommt Postfächer voller Textwüsten und Kollegen, die anfangen, sich gegenseitig zu ignorieren. Die Drei-Sätze-Regel ist die billigste Führungsentscheidung, die ich kenne. Sie kostet keine Software, keine Schulung und keine Verbotsliste. Nur die Erwartung, dass Menschen weiterhin wissen, was sie verschicken.

Merken für die Praxis

Workslop = KI-Text, der wie Arbeit aussieht und den Aufwand zum Empfänger verschiebt. Rund 40 % der Befragten bekommen ihn monatlich (HBR, US-Daten).
Gegenmittel: ansprechen, eindampfen lassen, Telefonat erzwingen, ignorieren, wenn niemand nachfragt.
Betriebsregel: Wer KI-Text weiterleitet, schreibt drei eigene Sätze dazu. Was steht drin, was ist neu, was soll der Empfänger tun.
Kein KI-Verbot. Nur die Erwartung, dass der Absender die Arbeit gemacht hat, die er vom Empfänger erwartet.

Quellen: Sean Goedecke, „How to protect yourself from workslop"; Harvard Business Review (BetterUp Labs / Stanford Social Media Lab, September 2025), Befragungszahlen zitiert nach TechCrunch. Stand: 03.09.2026.

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