Innerhalb weniger Tage kamen zwei neue Musikmodelle und ein schnelleres Bildmodell. Die wichtigste Zeile steht aber nicht im Datenblatt, sondern in der Partnerliste. Und sie erklärt, warum ihr das Thema anders angehen solltet als bisher.
Manchmal kommen Werkzeuge im Rudel. In wenigen Tagen kamen zwei neue Musikmodelle heraus, dazu eine schnellere Bildfunktion und mehr Möglichkeiten, Vorlagen in ein Video zu geben. Für einen Betrieb ist das erst einmal Rauschen. Interessant wird es an genau einer Stelle, und die hat mit Klangqualität nichts zu tun.
Suno V6 ist keine Ankündigung für die nächsten Wochen, sondern seit dem 9. September da. Vorgestellt wurde eine ganze Reihe: ein Hauptmodell für zahlende Kunden, daneben eine bewusst unberechenbarere Fassung, dazu eine kleinere Variante, die allen offensteht. Der Zugang wird stufenweise freigeschaltet, es kann also sein, dass es im eigenen Konto noch nicht sichtbar ist. Neu ist außerdem, womit man anfangen darf: Text, Sprachnotiz, Bild oder Video. Und Suno schaltet die Vorgängermodelle ab, sobald V6 vollständig ausgerollt ist.
Lyria 3.5 von Google steckt seit dem 4. September in der Gemini-App und in der Schnittstelle, nachdem es Ende Juli zuerst im hauseigenen Videowerkzeug lief. Neu sind Vorlagen für Leute, denen selbst nichts einfällt, etwa für Hintergrundmusik oder ein Lied zum Geburtstag. Man wählt oder beschreibt ein Genre, entscheidet zwischen Gesang und Instrumental, und bekommt Stücke von bis zu drei Minuten.
Dazu kamen zwei Dinge außerhalb der Musik. ChatGPT Images 2.5 erschien am 8. September, laut OpenAI bis zu 50 Prozent schneller als der Vorgänger, mit einer Skizzenfunktion als Vorlage und Bearbeitung per Kommentar, und zwar in allen Tarifen bis hinunter zum kostenlosen. Und bei Grok Imagine lassen sich mehrere Vorlagen in eine Videoerzeugung geben, damit Gesicht, Stimme und Umgebung über mehrere Clips gleich bleiben.
Uns wurde die Meldung zugetragen, Grok Imagine verarbeite inzwischen bis zu 14 Vorlagen. Auf der Seite des Anbieters selbst steht bis zu sieben Referenzen je Erzeugung, und die Zahl 14 taucht dort an anderer Stelle auf, nämlich als Zahl der möglichen Seitenverhältnisse. Eine neuere Ausbaustufe auf 14 konnten wir nicht finden. Und sämtliche Angaben zu Klang, Tempo und Güte stammen von den Herstellern, unabhängige Tests liegen für keines der Modelle vor.
Suno nennt in der Ankündigung ausdrücklich Warner Music Group, BMG und Believe als Partner der neuen Modellreihe. Und es ist mehr als eine Partnerliste: V6 wurde nach Angaben des Suno-Produktchefs von Grund auf neu trainiert, auf einem anderen Datensatz als die Vorgänger, mit lizenzierten Katalogen dieser Partner. Die alten Modelle werden abgeschaltet. Das ist keine Produktlaune, sondern die Folge eines Vergleichs: Warner hatte Suno verklagt und die Klage im November 2025 gegen eine Lizenzpartnerschaft fallengelassen, BMG kam im August 2026 dazu.
Lizenziert heißt aber nicht vollständig lizenziert. Universal Music und Sony Music gehören nicht zu den Partnern, ihre Verfahren gegen Suno laufen weiter. Wer also liest, V6 sei mit lizenzierter Musik trainiert, muss mitlesen: mit den Katalogen von drei Häusern, nicht mit denen aller.
Für euch ändert das die Ausgangslage trotzdem. Vor wenigen Tagen haben wir darüber geschrieben, dass 35 Musikverlage einen KI-Anbieter wegen Songtexten in den Trainingsdaten verklagen. Hier passiert das Gegenteil: Ein Anbieter holt sich die Rechteinhaber an den Tisch, statt auf ein Urteil zu warten. Nicht rechtssicher, aber deutlich weniger riskant.
Was ihr trotzdem selbst klären müsst, ist die Frage, was ihr mit dem Ergebnis tun dürft. Die Antwort steht nicht im Datenblatt, sondern in den Nutzungsbedingungen eures Tarifs, und sie unterscheidet sich massiv. Drei Punkte entscheiden: Dürft ihr das Stück gewerblich nutzen? Gilt das auch für bezahlte Werbung, also geschaltete Anzeigen? Und was passiert, wenn ihr das Abo kündigt, dürft ihr das Stück dann weiter verwenden?
Diese drei Fragen kosten zehn Minuten Lesen und ersparen im Zweifel eine sehr unangenehme Post. Bei kostenlosen Stufen lautet die Antwort auf die erste Frage übrigens häufig nein.
Wir beschreiben, worauf wir selbst achten, und ordnen eine Meldung ein. Ob eure konkrete Nutzung zulässig ist, hängt vom Tarif, vom Land und vom Einzelfall ab. Und die Partnerschaft mit Rechteinhabern sagt nichts darüber, wie das eigene Ergebnis später bewertet wird. Wer Musik in einer größeren Kampagne einsetzt, lässt die Bedingungen einmal anwaltlich prüfen. Einmal, nicht bei jedem Lied.
Nicht für den großen Werbespot, sondern für die kleinen Dinge, die sonst gar nicht entstehen. Eine Tonspur unter das Video von der Baustelle. Eine Warteschleife, die nicht nach 1998 klingt. Ein kurzes Stück unter die Bildergalerie auf der Website. Für all das habt ihr bisher entweder nichts gemacht oder eine Standardschleife genommen, die schon tausend andere benutzen. Genau da liegt der Gewinn, und genau da ist die Rechtsfrage am einfachsten, weil ihr nichts schaltet.
Mir ist beim Nachprüfen aufgefallen, wie schnell aus einer richtigen Beobachtung eine falsche Zahl wird. Suno V6 galt als kommend und ist längst da, und aus sieben Vorlagen wurden auf dem Weg vierzehn. Beides kein böser Wille, sondern die normale Abnutzung, wenn eine Meldung durch mehrere Hände geht.
Und ich halte die Trainingsfrage für wichtiger als jede Klangprobe. Ein Modell, das von Grund auf auf lizenzierten Katalogen neu gebaut wurde, ist etwas anderes als eines, dessen Datenherkunft vor Gericht liegt. Das ist der Unterschied zwischen einem Werkzeug, das man ausprobiert, und einem, das man in einen Ablauf einbaut. Sauber ist die Lage damit nicht: Zwei der drei größten Musikkonzerne klagen weiter.
Quellen: Sunos eigene Ankündigung der V6-Reihe vom 9. September 2026, dort die Nennung der Partner Warner Music Group, BMG und Believe, die Eingabe über Text, Ton, Bild und Video sowie der Satz, dass die Vorgängermodelle mit dem Ausrollen abgeschaltet werden; die Aussage von Suno-Produktchef Jack Brody, V6 sei von Grund auf auf einem neuen Datensatz trainiert, bei Music Ally; zum Warner-Vergleich vom November 2025, zum BMG-Abschluss im August 2026 und zu den weiterlaufenden Verfahren von Universal Music und Sony Music TechCrunch; Googles Lyria 3.5 in der Gemini-App und der Schnittstelle seit 4. September 2026; OpenAI zu ChatGPT Images 2.5 vom 8. September 2026; sowie xAI zu Grok Imagine Video 1.5, wo ausdrücklich von bis zu sieben Referenzen je Erzeugung die Rede ist. Sämtliche Angaben zu Geschwindigkeit und Klangqualität sind Herstellerangaben ohne unabhängige Prüfung. Rechtliche Hinweise sind allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Stand: 09.09.2026, korrigiert und ergänzt am 09.09.2026.
Welches Modell für welche Aufgabe, welche Tools wirklich zählen und wie du richtig promptest — komplett lesbar, kein Download.
Jetzt gratis lesen →Ich lese mit dir die Nutzungsbedingungen eures Tarifs, kläre die drei Fragen zur gewerblichen Nutzung und richte den Ablauf ein, mit dem ihr Musik und Bilder erzeugt und die Herkunft dokumentiert.