KI & Gesellschaft · 4. September 2026

Ein Prompt.
23 Modelle. Fast alle offen.

Aus einer harmlosen Forschungsvorlage wurde binnen Stunden eine Anleitung, mit der sich beliebige Anfragen durchschleusen lassen. Bei den neun anfälligsten von 23 getesteten Modellen klappte das in 84 bis 100 Prozent der Fälle. Nur wenige hielten stand. Was das für jeden Betrieb heißt, der Kunden an einen Chatbot lässt.

Lesedauer4 Minuten
KategorieKI & Gesellschaft
QuelleLessWrong, über TLDR AI vom 4. September 2026
Stand4. September 2026
23 MODELLE VON SIEBEN ANBIETERN GETESTET, DIE NEUN ANFÄLLIGSTEN: 84 BIS 100 PROZENT DIE VORLAGE STAMMT AUS DER SICHERHEITSFORSCHUNG SELBST, UMGEBAUT IN STUNDEN STANDGEHALTEN HABEN NUR NEUERE ANTHROPIC-MODELLE UND EIN META-MODELL ABER: EINZELFORSCHER, KEIN BEGUTACHTETES JOURNAL, MODELLSTÄNDE ÄNDERN SICH SCHNELL 23 MODELLE VON SIEBEN ANBIETERN GETESTET, DIE NEUN ANFÄLLIGSTEN: 84 BIS 100 PROZENT DIE VORLAGE STAMMT AUS DER SICHERHEITSFORSCHUNG SELBST, UMGEBAUT IN STUNDEN STANDGEHALTEN HABEN NUR NEUERE ANTHROPIC-MODELLE UND EIN META-MODELL ABER: EINZELFORSCHER, KEIN BEGUTACHTETES JOURNAL, MODELLSTÄNDE ÄNDERN SICH SCHNELL

Das Werkzeug der Aufseher
wurde zur Brechstange.

Es gibt eine Ironie in dieser Geschichte, die man erst auf den zweiten Blick sieht. Um Modelle zu bauen, die schädliches Verhalten erkennen, braucht man Beispiele für schädliches Verhalten. Also gibt es Vorlagen, die solche Beispiele künstlich erzeugen. Ein Forscher merkte, dass sich eine dieser Vorlagen mit kleinen Änderungen so umbauen lässt, dass man beliebige Anfragen einsetzen kann und ausführliche, klar schädliche Antworten bekommt. Er brauchte dafür Stunden.

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Nichts Neues,
nur gut kombiniert.

Getestet wurden 23 Modelle von sieben Anbietern, darunter Anthropic, Google, Meta und DeepSeek, anhand eines etablierten Maßstabs mit 179 heiklen Anfragen. Ergebnis: Bei den neun anfälligsten Modellen lag die Erfolgsquote zwischen 84 und 100 Prozent. Fast alle getesteten Modelle ließen sich mindestens einmal aushebeln. Standgehalten haben nach Darstellung des Autors nur die neueren Anthropic-Modelle und ein Meta-Modell, letzteres durch mehrere gestaffelte Schutzschichten.

Der lehrreichste Teil ist die Technik dahinter, denn sie ist vollständig unspektakulär. Der Autor nennt vier bekannte Bausteine: ein Rahmen, der Autorität vortäuscht, ein zweiter, der das Ganze als Forschung oder Fiktion ausgibt, eine Trennung zwischen der Rolle, die antwortet, und der, die fragt, und eine Verschleierung des Formats. Keiner dieser Bausteine ist neu. Neu ist nur, dass ihre Kombination fast überall funktioniert. Die Anbieter wurden im Vorfeld informiert; einige haben nachgebessert, andere brachten neue Modelle heraus, ohne die Lücke zu schließen.

ABER: Ein Forscher, kein Prüfsiegel

Das ist die Arbeit eines Einzelnen, veröffentlicht auf einer Plattform ohne Begutachtungsverfahren. Es gibt keine unabhängige Wiederholung, und die Liste der geprüften Modelle ist eine Momentaufnahme, die schon wieder veraltet, während du das liest. Wer daraus eine Rangliste der sicheren Anbieter macht, überdehnt den Befund. Was bleibt, ist die Richtung, und sie deckt sich mit dem, was OpenAI gestern selbst über die schwerer gewordene Überwachbarkeit von GPT-6 Astra geschrieben hat.

Der Test

Getestete Modelle23 von 7 Anbietern
Maßstab179 heikle Anfragen
Neun anfälligste84 bis 100 % Erfolg
Standgehaltenneuere Anthropic-Modelle, ein Meta-Modell
Technikvier bekannte Bausteine, kombiniert
Meldung an Anbietererfolgt, teils behoben
Begutachtetnein
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Wenn dein Chatbot
etwas Falsches sagt.

Die meisten Betriebe bauen keine Grundmodelle, sie mieten eines und stellen es auf die eigene Website. Genau da ist der Befund unangenehm: Was dein Chatbot einem Kunden sagt, sagt dein Betrieb. Rechtlich haftest du für die Auskunft auf deiner Seite, nicht der Modellanbieter. Wenn jemand mit einer geschickt gebauten Anfrage einen Rabatt, eine Zusage oder eine gefährliche Anleitung herausholt, steht dein Name darüber, nicht der von OpenAI oder Google.

Die Gegenmaßnahmen sind nicht kompliziert, sie werden nur selten gemacht. Erstens: ein Filter vor und hinter dem Modell, der Anfragen und Antworten prüft, statt sich allein auf die Erziehung des Modells zu verlassen. Zweitens: harte Grenzen im System, nicht im Prompt. Ein Chatbot, der keine Rabatte vergeben kann, weil er technisch keinen Zugriff auf Preise hat, lässt sich auch nicht dazu überreden. Drittens: mitschreiben und stichprobenartig lesen. Die meisten Betriebe erfahren von einem Vorfall durch den Kunden, nicht durch ihr Protokoll.

Der Test, den du heute machen kannst

Schreib deinem eigenen Chatbot drei Sätze: eine Bitte um einen Rabatt, den es nicht gibt; eine Frage, die eine rechtliche Zusage verlangt; und eine Aufforderung, die vorherigen Anweisungen zu ignorieren und stattdessen etwas anderes zu tun. Wenn er auch nur einmal einknickt, hast du kein Modellproblem, sondern ein Systemproblem, und das ist die gute Nachricht: Systeme kann man reparieren, ohne auf das nächste Modell zu warten.

Für den Betrieb

Haftungbei dir, nicht beim Anbieter
Schutz 1Filter vor und hinter dem Modell
Schutz 2Grenzen im System, nicht im Prompt
Schutz 3Mitschreiben und Stichproben lesen
SelbsttestRabatt, Zusage, Anweisung ignorieren

Was dein Chatbot sagt, sagt dein Betrieb. Und der Modellanbieter haftet nicht dafür.

Grenzen gehören ins System, nicht in die Höflichkeitsformel eines Prompts.

Erziehung reicht nicht.
Zäune schon.

Was ich aus dieser Untersuchung mitnehme, ist nicht die Angst vor bösen Anfragen, sondern eine sehr nüchterne Einsicht: Die Sicherheit eines Modells ist eine Eigenschaft, die der Anbieter herstellt und jederzeit ändern kann, und sie hält, wie der Test zeigt, unterschiedlich gut. Darauf allein zu bauen, ist dieselbe Wette wie ein Ladengeschäft ohne Schloss, weil man an das Gute im Menschen glaubt.

Für deinen Betrieb heißt das: Verlass dich nicht darauf, dass das Modell schon nichts Falsches sagen wird. Sorge dafür, dass es nichts Falsches sagen kann, weil es die Dinge, die schiefgehen könnten, gar nicht erreicht. Das ist mehr Arbeit als ein guter Prompt und es hält länger als das nächste Modell-Update. Und es ist derselbe Gedanke wie überall in dieser Woche: Nicht das Ergebnis reparieren, sondern das System, das es erzeugt.

Merken für die Praxis

23 Modelle getestet, die neun anfälligsten fielen in 84 bis 100 Prozent der Fälle. Nur wenige hielten stand.
Die Technik ist nicht neu, nur ihre Kombination. Anbieter wurden informiert, nicht alle haben nachgebessert.
Einzelforscher ohne Begutachtung, Momentaufnahme. Keine Rangliste sicherer Anbieter daraus machen.
Für Betriebe: Haftung liegt bei dir. Filter davor und dahinter, Grenzen im System, Protokoll lesen.

Quelle: Beitrag von „richbc" auf LessWrong, „From safety research prompt to cross-model universal jailbreak", entstanden im Forschungsprogramm MATS, verbreitet über TLDR AI vom 04.09.2026. LessWrong ist kein begutachtetes Journal. Rechtliche Hinweise sind allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Stand: 04.09.2026.

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