Wer mit Claude arbeitet, musste bisher vorher entscheiden: kurze Frage im Chat, größere Aufgabe in Cowork, Gestaltung in Claude Design. Damit ist bald Schluss. Anthropic legt alles zusammen und bringt zwei neue Werkzeuge mit, Claude Docs und Claude Slides. Wir arbeiten selbst jeden Tag mit Claude, deshalb schauen wir genau hin.
Anthropic hatte Cowork als eigenen Ort für größere Arbeiten gebaut und Claude Design für Gestaltung. Die Rückmeldung der Nutzer war laut Anthropic eindeutig: Das Lästige war nicht die Arbeit selbst, sondern die Frage, wo eine Aufgabe hingehört. Und was in einem Bereich begann, ließ sich im anderen nicht fortsetzen. Am 16. September hat Anthropic deshalb angekündigt, Chat und Cowork zu einem Claude zusammenzulegen.
Im zusammengelegten Claude gibt es keinen Modus mehr, den man vorher wählt. Man beschreibt, was man braucht, und Claude entscheidet, welches Werkzeug dafür passt: eine schnelle Antwort auf eine Frage oder eine größere Aufgabe wie eine Recherche, einen Bericht, eine Tabelle oder eine Präsentation. Das Ergebnis kommt als fertige, bearbeitbare Datei zurück. Auch Claude Design, bisher ein eigener Bereich für Websites und Entwürfe, funktioniert jetzt direkt im Gespräch.
Dazu kommen zwei neue Werkzeuge. In Claude Docs entstehen Dokumente, an denen man gemeinsam mit Claude arbeitet: Abschnitte anlegen, Fragen stellen, kommentieren, per Link teilen und auch am Handy bearbeiten.
Claude Slides ist für Präsentationen gedacht: erstellen, bearbeiten, vorführen, und für die Weitergabe als PDF oder PowerPoint exportieren. Gerade der PowerPoint-Export ist für den Alltag wichtig, denn die Präsentation landet am Ende meist doch beim Kunden, der mit seinem eigenen Programm weiterarbeiten will.
Ausgerollt wird in den kommenden Wochen zuerst für Pro- und Max-Abonnenten, im Web, am Desktop und in den Apps. Die kostenlose Stufe und Team-Tarife sollen folgen. Unternehmenskunden bekommen laut Berichten mindestens 30 Tage Vorlauf, bevor sich bei ihnen etwas ändert.
Wann genau welcher Tarif die Neuerungen bekommt, nennt Anthropic nicht, ebenso wenig Nutzungsgrenzen für Docs und Slides. Mehrere Fachmedien beschreiben Docs und Slides als Beta, also als Werkzeuge, die sich noch ändern können. Und ob Claude die Aufgabe immer dem richtigen Werkzeug zuordnet, muss sich im Alltag erst zeigen. Wer eine bestimmte Arbeitsweise gewohnt ist, sollte in den ersten Wochen genauer hinschauen, was Claude daraus macht.
Für Betriebe ist die wichtigste Veränderung nicht die Technik, sondern der Weg bis zum Ergebnis. Bisher hieß KI im Büro oft: Text im Chat erzeugen, kopieren, in Word oder PowerPoint einfügen, formatieren, nachbessern. Mit Docs und Slides entfällt ein Teil davon. Ein Angebot, ein Monatsbericht oder die Präsentation für den Kundentermin entstehen direkt als Datei, die man bearbeitet und weitergibt.
Wir sehen das in unserer eigenen Arbeit: Der größte Zeitfresser war nie das Schreiben, sondern das Hin und Her zwischen Programmen. Wenn das wegfällt, wird KI im Büro vom Textgenerator zum Arbeitsplatz.
Zwei Dinge bleiben trotzdem Handarbeit. Erstens die Prüfung: Zahlen, Preise und Zusagen in einem Angebot gehören vor dem Versand in menschliche Hände, egal wie gut die Datei aussieht. Zweitens der Datenschutz: Wer Kundendaten, Verträge oder interne Zahlen in Claude verarbeitet, klärt vorher, welcher Tarif welche Vereinbarungen zur Auftragsverarbeitung bietet. Das gilt für Docs genauso wie für den Chat.
Je fertiger ein Ergebnis aussieht, desto eher wird es ungeprüft weitergegeben. Eine sauber formatierte Präsentation mit einer falschen Zahl ist gefährlicher als ein holpriger Entwurf, bei dem jeder genau hinschaut. Legt deshalb fest, wer im Betrieb Angebote und Präsentationen vor dem Versand prüft, bevor ihr die neuen Werkzeuge breit nutzt.
heise nennt zwei Details, die für den Büroalltag wichtig sind. Erstens lassen sich Texte aus Claude Docs nach Google Docs und Microsoft Word exportieren, weitere Formate sollen folgen. Du kannst also in Claude schreiben und im gewohnten Programm weiterarbeiten oder die Datei an Kunden und Kollegen schicken. Zweitens ist Claude Design künftig direkt im normalen Gespräch erreichbar und erstellt auf Anfrage einseitige Grafiken, etwa Aushänge oder einfache Infografiken, zum Herunterladen als Bild oder PDF.
Docs, Slides und Design bleiben Beta-Funktionen für zahlende Tarife. In Firmenkonten schalten Administratoren sie frei. Für einen Aushang oder eine schnelle Grafik lohnt sich der Test, für Werbemittel mit festem Markenauftritt prüfst du Farben, Schriften und Logo besser noch selbst nach.
Quelle: heise online, 16.09.2026
Sucht euch zwei wiederkehrende Dokumente aus, die heute am meisten Zeit kosten, zum Beispiel das Standardangebot und die Präsentation für Neukunden. Schreibt für beide auf, welche Teile immer gleich sind, welche Angaben sich ändern und wer vor dem Versand prüft. Sobald Docs und Slides bei euch ankommen, habt ihr damit die perfekte Vorlage: Claude bekommt Aufbau und feste Teile, ihr gebt die wechselnden Angaben dazu, und die Prüfung ist schon geregelt.
Ich finde den Schritt richtig, weil er ein echtes Alltagsproblem löst. Die Frage „Chat oder Cowork?“ hat mich selbst öfter aufgehalten, als ich zugeben mag. Ein Claude, der selbst merkt, ob ich eine kurze Antwort oder eine fertige Präsentation brauche, ist genau die Richtung, die KI im Büro braucht.
Gleichzeitig bleibe ich bei meiner Grundregel: Je selbstständiger das Werkzeug arbeitet, desto klarer muss sein, wer am Ende prüft. Docs und Slides machen Angebote und Präsentationen schneller. Richtig werden sie erst durch den Menschen, der sie vor dem Versand liest.
Quellen: TechCrunch vom 16. September 2026 (Zusammenlegung, automatische Werkzeugwahl, Funktionen von Docs und Slides, Export, Rollout); VentureBeat und Unite.AI zur Begründung von Anthropic, zum Beta-Status und zum Vorlauf für Unternehmenskunden. Anthropics eigene Mitteilung war für uns nicht direkt abrufbar. Stand: 17.09.2026.
Welches Modell für welche Aufgabe, welche Tools wirklich zählen und wie du richtig promptest — komplett lesbar, kein Download.
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