Claude Desktop stürzte ab, und für ein paar Stunden wusste ich nicht, ob anderthalb Jahre Firmenarbeit weg waren. Wie ChatGPT Codex Schritt für Schritt alles gesichert und wiederhergestellt hat, und warum eine angezeigte Zahl allein noch kein Beweis ist.
Ich saß vor einem leeren Fenster und wusste eine Weile lang nicht, ob anderthalb Jahre Arbeit weg waren.
Claude Desktop öffnete sich an diesem Tag einfach nicht mehr richtig. Das Fenster verschwand, oder rutschte in den Hintergrund, so genau ließ sich das im ersten Moment gar nicht sagen. Die Verbindung zum Browser lief teilweise noch, aber die App selbst war nicht mehr zuverlässig zu sehen oder zu bedienen. Windows schlug mir unter den erweiterten App-Optionen eine Reparatur vor. Die half kurz. Dann war der Fehler wieder da.
Für die meisten Menschen wäre das ein Ärgernis gewesen, das man am nächsten Tag löst. Für mich war es in dem Moment eine echte Bedrohung. In Claude Code steckt ein guter Teil meiner Firma. Webseiten, technische Entscheidungen, laufende Projekte, greemOS, Home Assistant, Arbeitsstände, Wissen über unsere Server. Anderthalb Jahre Entwicklung, in unzähligen Gesprächen festgehalten, die ich so nie wieder aus dem Kopf rekonstruieren könnte.
Bevor ich weiterschreibe, eine wichtige Einordnung, damit hier kein falsches Bild entsteht. Die veröffentlichte greemOS-Version lief zu diesem Zeitpunkt völlig unabhängig davon auf unserem eigenen Server bei Hetzner, zusätzlich gesichert auf einem zweiten Server. Unser Produktivsystem war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Was auf dem Spiel stand, war etwas anderes und, ich gebe es zu, für mich fast noch Schlimmeres: der komplette Arbeitskontext. Das Gedächtnis, mit dem ich weiterarbeite. Jedes Gespräch, in dem eine Entscheidung gefallen ist, jeder Faden, den ich noch zu Ende führen wollte.
Ich habe ChatGPT Codex gebeten, sich das anzusehen. Und der erste Unterschied zu dem, was ich sonst in solchen Situationen mache, war: nichts wurde vorschnell gelöscht oder zurückgesetzt.
Codex hat zuerst den Windows-Paketstatus und die Ereignisprotokolle geprüft. Windows meldete für Claude den Status „Modified, NeedsRemediation", auf Deutsch etwa: verändert, muss repariert werden. Dazu kam ein sogenannter Code-Integrity-Fehler. Windows hatte eine einzelne Systemdatei namens vk_swiftshader.dll blockiert, weil deren Signatur nicht mehr geprüft werden konnte, und der zugehörige Integritätskatalog ließ sich ebenfalls nicht mehr laden. Vereinfacht gesagt: Windows misstraute der Installation selbst und konnte nicht mehr sicher sagen, ob die Dateien noch die waren, die installiert worden waren.
Damit war klar, dass die lokale Installation beschädigt war. Aber das war noch keine Erlaubnis, sie einfach zu entfernen.
Codex hat zuerst alle relevanten Daten gesichert, und zwar bevor überhaupt irgendetwas an der Installation angefasst wurde.
Der zentrale Claude-Code-Bereich auf meinem Rechner enthielt 1.823 Dateien mit einer Gesamtgröße von rund 4,8 Gigabyte, darunter 670 nicht leere Protokolldateien im JSONL-Format, in denen die eigentlichen Gesprächsverläufe stehen. Dazu kamen die Skills, die aktuellen Aufgabenstände und die zentrale Claude-Konfiguration.
Wichtig war mir dabei nicht nur, dass kopiert wurde. Codex hat Original und Sicherung mit SHA256 verglichen, einer Methode, mit der man für jede Datei eine Art digitalen Fingerabdruck errechnet. Stimmen die Fingerabdrücke von Original und Kopie überein, ist die Kopie garantiert identisch, bis auf das letzte Bit. Das Ergebnis: keine fehlende Datei, keine Abweichung.
Zusätzlich wurde das komplette lokale Windows-App-Paket von Claude gesichert, noch einmal rund 15,5 Gigabyte. Darin lagen weitere Daten, die getrennt von dem zentralen Bereich existieren: 403 Sitzungsdateien der Claude-Code-Sitzungen mit rund 172 Megabyte, und 667 Dateien der lokalen Arbeitsagenten mit rund 124 Megabyte.
Codex hat außerdem gezielt einige der für mich wichtigsten Projekte geprüft. Die greemOS-Historie zur Legitimation enthielt 22.385 gültige Datensätze, die aktuelle Security-Historie 19.912, die Home-Assistant-Historie 18.953. In keiner dieser geprüften Dateien fand sich ein strukturell beschädigter Datensatz. Erst danach kam der nächste Schritt.
Codex hat den aktuellen Windows-Installer direkt von Anthropic heruntergeladen und die digitale Signatur geprüft. Sie war gültig und stammte von Anthropic, PBC, also tatsächlich vom Hersteller selbst und nicht von irgendeiner Zwischenquelle.
Dieser Installer verlangte allerdings, den Windows-Entwicklermodus einzuschalten. Das wurde bewusst abgelehnt. Auf einem Firmenrechner lockert man keine Sicherheitseinstellung nur, weil ein Installationsweg gerade nicht funktioniert. Stattdessen wurde das offizielle MSIX-Paket direkt von Anthropic geladen, ein alternatives, ebenfalls offizielles Installationsformat für Windows. Auch hier wurden Signatur, Architektur und Version noch einmal geprüft.
Erst dann wurde ausschließlich das beschädigte Claude-Windows-Paket entfernt. Nicht angefasst wurden dabei die Webseiten und Projektordner, die SSH-Dateien, OneDrive, greemOS, Home Assistant, die Hetzner-Server und die Produktivdatenbanken. Diese Trennung war mir im Nachhinein wichtiger, als ich im Moment selbst gemerkt habe.
Das offizielle MSIX wurde anschließend genau nach dem von Anthropic dokumentierten Verfahren installiert. Danach meldete Windows für das Paket den Status „Ok". Der vorherige Fehler war weg, und auch der Code-Integrity-Fehler tauchte beim nächsten Start nicht wieder auf. Claude startete wieder. Die Anmeldung funktionierte.
Und jetzt kommt der Teil, bei dem ich ehrlich sein muss, weil er mir selbst eine Lehre war.
Auf den ersten Blick sah alles gut aus. Die Projektgruppierungen waren wieder da. Claude zeigte sogar eine Statistik mit 300 Sitzungen und 269.937 Nachrichten. Für einen Moment dachte ich, das Schlimmste sei überstanden.
Dann schaute ich genauer hin. In den Gruppierungen stand nur sinngemäß: „Jetzt Chats hier einfügen." Die eigentlichen Arbeitschats fehlten trotzdem.
300 Sitzungen und fast 270.000 Nachrichten klingen nach einer vollständigen Wiederherstellung. Waren sie aber nicht. Eine Statistik oder eine vorhandene Gruppierung beweist noch nicht, dass die eigentlichen Inhalte auch wirklich wieder da sind.
Codex hat sich daraufhin die Sitzungsordner des Desktop-Clients genauer angesehen, und hier zeigte sich der eigentliche Grund für das Problem. In der neuen Installation lag im Ordner für die Claude-Code-Sitzungen nur eine kleine Systemdatei. In der Sicherung von vorhin lagen dort 403 Dateien. Der zentrale Claude-Code-Bereich und die Desktop-Sitzungshistorie sind offenbar zwei getrennte Speicherorte. Wer nur den einen sichert, hat womöglich keine vollständige Wiederherstellung, auch wenn die App selbst wieder normal aussieht.
Claude wurde noch einmal geschlossen. Zuerst wurde der frisch installierte, bereits angemeldete Zustand selbst noch einmal zusätzlich gesichert, für den Fall, dass beim nächsten Schritt etwas schiefgeht.
Dann hat Codex gezielt die fehlenden Dateien aus den gesicherten Bereichen ergänzt, konkret aus den Sitzungsdaten der Claude-Code-Sitzungen, den Sitzungen der lokalen Arbeitsagenten und einer Datei mit dem Namen der aktiven Arbeitsverzeichnisse. Wichtig dabei: bereits vorhandene neue Dateien wurden nicht einfach blind überschrieben. Die neue Aufgabenplanung und zwei aktuelle Plugin-Manifeste, die in der Zwischenzeit schon wieder entstanden waren, blieben erhalten.
Nach dem Neustart waren die Arbeitschats wieder sichtbar. Darunter die Entwicklung an 360OS, die Arbeit an unserer Lara als Sprachassistentin zu Hause, die ZDF-bezogenen Updates zu 360OS, verschiedene Webseitenprojekte, Skool-Arbeiten und Marketingprojekte.
Aber selbst da wollte ich es nicht einfach glauben. Codex hat testweise eine dieser Sitzungen geöffnet, die Entwicklung an 360OS, und zwar ausschließlich lesend. Keine neue Nachricht, keine neue Aufgabe, nur ein Blick hinein. Nicht nur der Titel war vorhanden. Der komplette gespeicherte Gesprächsinhalt und der damalige Arbeitsstand waren vollständig da. Erst in diesem Moment, als ich mit eigenen Augen den Inhalt eines konkreten Chats gesehen habe, wusste ich wirklich, dass es geschafft war. Nicht vorher.
Nicht wenn die App wieder startet. Nicht wenn eine Statistik hunderttausende Nachrichten zeigt. Erst wenn ein echter Inhalt wieder vor dir liegt.
Ich schreibe das hier so ausführlich auf, weil ich mir wünsche, dass jemand mir das vor diesem Tag gegeben hätte. Falls bei euch Claude oder ein vergleichbares Arbeitswerkzeug einmal so ausfällt, ist das der Ablauf, der bei mir funktioniert hat:
Technische Eingriffe wie hier beschrieben, insbesondere das Entfernen oder Neuinstallieren einer Anwendung, solltest du nur vornehmen, nachdem du deine Daten vollständig gesichert und diese Sicherung überprüft hast.
Ein Ausfall wie dieser ist auch ein Weckruf. Ich habe für uns ein paar feste Regeln daraus gemacht. Der Claude-Code-Verlauf wird künftig täglich verschlüsselt in unseren OneDrive-Sicherungsbereich kopiert. Einmal pro Woche kontrollieren wir Dateianzahl, Gesamtgröße und Hashwerte der Sicherung, damit uns nicht erst im Ernstfall auffällt, dass etwas fehlt. Einmal im Monat öffnen wir testweise eine ausgewählte Sitzung direkt aus der Sicherung, so wie Codex es an diesem Tag gemacht hat, nur eben vorbeugend statt in der Not.
Unser Projektcode bleibt zusätzlich über Git, OneDrive und unsere bestehenden Server-Sicherungen geschützt, das war schon vorher so und hat sich bewährt. Und weil bei so einem Vorfall auch die Frage aufkommt, was eigentlich alles in so einem Verlauf steht: Serverpasswörter und Zugangsschlüssel überführen wir schrittweise aus den Chatverläufen heraus in einen Passwortmanager. Betroffene Zugangsdaten werden danach kontrolliert gewechselt.
Ich hätte nach der Windows-Meldung „Ok" aufhören können zu suchen. Die App lief wieder, die Statistik zeigte hunderttausende Nachrichten, das hätte für viele Menschen wie eine erledigte Sache ausgesehen. Es war aber noch nicht erledigt. Erledigt war es erst, als ich einen tatsächlichen alten Chat mit eigenen Augen wieder geöffnet gesehen habe.
Quellen: Claude Code Sitzungen (Anthropic) · Claude Desktop für Windows (Anthropic) · Microsoft zu NeedsRemediation · Microsoft zur App-Reparatur. Stand: 01.09.2026.
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