Bisher war eine Anzeige ein Bild mit Text und Link. In ChatGPT testet OpenAI jetzt Anzeigen, hinter denen ein Gespräch wartet: Wer klickt, spricht mit dem Agenten des Unternehmens. Das gibt es vorerst nur in den USA. Andere Neuerungen vom selben Tag dürften deutsche Shops dagegen schon nächste Woche betreffen.
Seit dem 24. August zeigt ChatGPT auch in Deutschland Werbung, wir hatten über den Europa-Start berichtet. Am 16. September hat OpenAI den nächsten Schritt angekündigt: Sponsored Agents als Test, dazu Werkzeuge, mit denen Anzeigen in normaler Sprache entstehen, und zwei Partner, über die kleine und mittlere Betriebe an die Werbung kommen, HubSpot und Shopify.
So soll es funktionieren: In ChatGPT erscheint eine passende Anzeige. Wer mag, wechselt in ein klar gekennzeichnetes Gespräch mit einem Agenten des werbenden Unternehmens. Dort kann man sagen, worauf es einem ankommt, Rückfragen stellen und erst dann auf die Website des Unternehmens wechseln, wenn man so weit ist. OpenAIs Beispiel: Jemand sieht einen Esstisch in einer Anzeige und will wissen, ob er in den Raum passt, wie viele Personen daran sitzen und wie man die Oberfläche pflegt.
Wichtig ist die Trennung. Das Gespräch mit dem Sponsored Agent läuft laut OpenAI getrennt vom ursprünglichen ChatGPT-Gespräch und getrennt von den eigenen, unabhängigen Antworten von ChatGPT. Die Werbung soll also nicht in die normale Antwort hineinrutschen.
Getestet wird das zunächst nur mit ausgewählten Werbekunden in den USA. Einen Zeitplan für andere Länder nennt OpenAI nicht.
Trotzdem lohnt der Blick darauf, denn er zeigt, wohin sich Werbung bewegt: weg vom Bild, das neugierig machen soll, hin zu einem Gespräch, das eine konkrete Frage beantwortet. Wer so eine Anzeige schaltet, stellt einen Verkäufer ins Schaufenster, der für die Marke spricht, rund um die Uhr, ohne dass jemand danebensteht.
Was ein Sponsored Agent über Maße, Lieferzeiten, Preise oder Pflege sagt, ist für den Kunden eine Aussage des Unternehmens. Wie OpenAI verhindert, dass solche Agenten Falsches versprechen, und welche Gesprächsdaten der Werbekunde zu sehen bekommt, geht aus den bisherigen Berichten nicht hervor. Für einen Test mit ausgewählten Firmen ist das verständlich. Bevor es breit ausgerollt wird, sind das die Fragen, die jeder Werbekunde stellen sollte.
Näher liegen die anderen Neuerungen. Im Ads Manager lassen sich Kampagnen jetzt per Anweisung in normaler Sprache anlegen. Aus der Landingpage schlägt das System Anzeigentexte und Bilder vor, auf Wunsch passt es die Texte per KI an und übersetzt sie automatisch.
Dazu zwei Partner. HubSpot ist der erste CRM-Partner: Wer seine Kunden in HubSpot verwaltet, kann seit dem 16. September dort ChatGPT-Anzeigen erstellen, auswerten und die gewonnenen Kontakte weiterbearbeiten, ohne HubSpot zu verlassen. Shopify ist der erste Shop-Partner: Eine kostenlose App erstellt und verwaltet Kampagnen, die Produkte kommen direkt aus dem Shopify-Katalog. In den USA startete sie am 16. September, international soll der Start am 23. September beginnen, in den Märkten, in denen ChatGPT-Werbung verfügbar ist. Neue Werbekunden bekommen laut Unite.AI 500 Dollar Guthaben, wenn sie selbst 500 Dollar einsetzen.
Und Deutschland? ChatGPT zeigt hier seit dem 24. August Anzeigen, und laut deutschen Fachmedien ist der Ads Manager für den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz seit Anfang September selbst buchbar. Gehört Deutschland damit, wie es aussieht, zu den ChatGPT-Werbemärkten, können deutsche Shopify-Händler ab nächster Woche aus ihrem Shop heraus in ChatGPT werben.
Zu bedenken bleibt der Europa-Sonderweg aus unserem August-Beitrag: In der EU ist die Personalisierung zum Start ausgeschaltet. Anzeigen richten sich hier nach dem laufenden Gespräch, der Sprache und dem groben Standort, nicht nach einem Nutzerprofil. Wer passend zum Gesprächsthema auftaucht, gewinnt, nicht wer die Zielgruppe am feinsten eingrenzt.
Die Einschätzung zur Shopify-App beruht darauf, dass ChatGPT-Werbung in Deutschland läuft und der Ads Manager hier buchbar ist. Eine ausdrückliche Länderliste zum internationalen Start haben wir nicht gefunden. Wer Shopify nutzt, sieht es am einfachsten ab dem 23. September im App Store selbst. Und: Anzeigen, die aus der Landingpage entstehen, sind nur so gut wie die Landingpage. Fehler dort landen direkt in der Werbung.
Inzwischen sind erste Teilnehmer des US-Tests bekannt. Die Handwerkerplattform Angi hat am 16. September selbst bestätigt, dass ihr Agent in passenden ChatGPT-Gesprächen über Arbeiten am Haus erscheint: Man beschreibt dort sein Projekt weiter und wird bei Bedarf an einen Handwerker vor Ort vermittelt. Laut Medienberichten ist auch der Möbelhändler Wayfair dabei, eine Bestätigung von Wayfair selbst haben wir nicht gefunden.
Die Frage, welche Daten aus deinem ChatGPT-Gespräch der Agent der Firma zu sehen bekommt, beantwortet auch die Angi-Mitteilung nicht. Solange das offen ist, gilt als Nutzer: auf das Label achten, ob gerade ChatGPT antwortet oder eine Anzeige, im Werbe-Chat keine persönlichen Details und keine Budgetgrenze nennen, und Preise selbst vergleichen. Für Betriebe, die selbst so einen Agenten planen, ist das die Kehrseite: Vertrauen entsteht nur, wenn klar ist, was mit den Angaben der Kunden passiert.
Quellen: Angi, Pressemitteilung vom 16.09.2026; zu Wayfair Martin Cid Magazine
Erstens die Produktdaten: Titel, Beschreibungen, Preise und Verfügbarkeit im Shop müssen stimmen, denn genau daraus entstehen die Anzeigen. Zweitens die Landingpage: Was dort steht, schlägt das System als Anzeigentext vor, also lies sie einmal so, als wäre sie deine Anzeige. Drittens ein klarer, kleiner Test: ein Produkt oder eine Leistung, ein festes Budget, ein messbares Ziel. Und viertens, auch wenn es die Gesprächs-Anzeigen hier noch nicht gibt: Schreib jetzt schon auf, was ein Agent in deinem Namen nie zusagen dürfte. Diese Liste brauchst du, sobald die Anzeige zurückredet.
Sponsored Agents sind für mich der spannendste Werbe-Test des Jahres, weil sie das Prinzip umdrehen. Bisher musste eine Anzeige in einer Sekunde neugierig machen. Jetzt muss sie in einem Gespräch überzeugen. Das begünstigt Betriebe, die ihre Produkte wirklich erklären können, und nicht die mit dem lautesten Bild.
Für deutsche Betriebe ist die wichtigere Nachricht aber die unscheinbarere: ChatGPT-Werbung wird so einfach buchbar wie eine Shopify-App. Wer jetzt Produktdaten und Landingpage in Ordnung bringt, kann nächste Woche einen kleinen Test fahren, während andere noch überlegen, ob KI-Werbung überhaupt ein Thema ist.
Quellen: Unite.AI vom 16. September 2026 (Sponsored Agents, Kennzeichnung und Trennung, Werkzeuge im Ads Manager, HubSpot, Shopify, Starttermine, Guthaben); PYMNTS und Search Engine Roundtable zum US-Test; zur Buchbarkeit des Ads Managers in Deutschland OnlineMarketing.de; Europa-Start und Personalisierung aus unserem Beitrag vom 19. August 2026. Dass die Shopify-App ab 23. September auch deutsche Händler erreicht, ist unsere Einschätzung, OpenAI nennt keine Länderliste. Stand: 17.09.2026.
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