Seit Anfang August ist im kostenlosen ChatGPT ein anderes Modell voreingestellt, es gibt unbegrenzte Textchats und einen Knopf für schwierige Fragen. Wir haben das damals übersehen, deshalb hier nachgereicht. Denn es ändert zwei Dinge in jedem Betrieb: was Kunden erwarten, und was Mitarbeiter nebenbei tun.
Diese Ankündigung ist vom 6. August, und sie ist uns damals durchgerutscht. Ich reiche sie nach, weil sie in der Wirkung größer ist als die meisten Modellstarts, über die wir seitdem geschrieben haben. Sie betrifft nämlich nicht die zahlenden Profis, sondern die Millionen, die ChatGPT kostenlos benutzen. Und das sind, in jedem Betrieb, die Kunden und ein Teil der Belegschaft.
Für die Tarife Free und Go wurde GPT-5.6 Luna zum Standardmodell. Dazu kamen unbegrenzte Textchats, ausdrücklich mit dem Zusatz, dass Missbrauchsschranken weiter greifen. Und ein Denk-Knopf: Wer eine schwierigere Frage hat, kann dem Modell mit einem Klick mehr Zeit zum Nachdenken geben. Der Zähler, der Gratisnutzer bisher nach ein paar Fragen ausbremste, ist für reinen Text also weg.
Zeitgleich bekamen Plus und Pro ein überarbeitetes GPT-5.6 Sol im Chat: verlässlichere Fakten, kürzere und direktere Antworten, weniger unnötige Formatierung, und einen Regler, mit dem man selbst bestimmt, wie viel Denkarbeit in eine Antwort fließt. Die Fassung, die in Work und Codex arbeitet, blieb unverändert.
Zur Güte nennt OpenAI eine interne Auswertung mit Fragen aus Finanzen, Medizin und Recht, bei denen es auf belegbare Details ankommt: Antworten mit mindestens einem sachlichen Fehler seien bei Luna rund 62 Prozent seltener und bei Sol 68 Prozent seltener als bei der Vorgängerstufe GPT-5.5 Instant. Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl als die Richtung: Das Gratismodell wurde in derselben Größenordnung besser wie das bezahlte.
Zuerst in eigener Sache: Diese Meldung ist vom 6. August, wir bringen sie am 6. September. Das ist spät, und Sie sollen es wissen, statt es für frisch zu halten. Inhaltlich zwei Einschränkungen. Unbegrenzt gilt nur für Text. Für hochgeladene Dateien, Bilder und andere Werkzeuge bleiben Grenzen bestehen, ohne dass Zahlen genannt werden. Und die Gütewerte sind eine interne Auswertung ohne genannte Ausgangsrate: Wenn vorher jede zweite Antwort einen Fehler hatte, sind 62 Prozent weniger etwas anderes, als wenn es jede zwanzigste war.
Die erste betrifft deine Kunden. Wer dir schreibt, hat seine Frage vorher womöglich durchgesprochen, kostenlos und ohne Limit, mit einem Modell, das seltener Unsinn erzählt als das vom Frühjahr. Er kommt also nicht mehr mit einer offenen Frage, sondern mit einer Erwartung und oft schon mit einer Antwort. Das ist genau die Verschiebung, über die ich diese Woche schon geschrieben habe: Dein Angebot wurde nicht schlechter, die Messlatte ist gestiegen. Der Unterschied ist, dass die Messlatte jetzt auch für die gestiegen ist, die nie etwas bezahlen wollten.
Die zweite betrifft deine Leute, und sie ist unangenehmer. Solange der Gratis-Tarif nach zehn Fragen dichtmachte, war er als Arbeitswerkzeug unbrauchbar. Jetzt ist er es nicht mehr. Das heißt: Wer bei euch keine freigegebene Lösung hat, benutzt ab sofort mit einiger Wahrscheinlichkeit sein privates Konto, mit Kundennamen, Angebotsdetails oder einer Reklamation im Text. Das ist kein böser Wille, das ist der Weg des geringsten Widerstands. Ihr habt damit ein Datenthema, ohne dass jemand eine Entscheidung getroffen hätte.
Nicht verbieten, das funktioniert nachweislich nicht. Stattdessen drei Sätze schriftlich: Was darf hinein, was nicht, und wo ist der freigegebene Weg. Ein Satz reicht als Grenze: keine Kundennamen, keine Preise, keine Personaldaten in ein privates Konto. Dazu ein freigegebener Zugang für die, die täglich damit arbeiten, und für heikle Daten der Weg über eine lokale Lösung. Wer diese drei Sätze nicht hat, hat sie faktisch trotzdem, nur schreibt sie dann jeder für sich selbst.
Und Arbeitswerkzeuge im Betrieb brauchen eine Regel, auch wenn sie nichts kosten.
Ich finde diese Meldung gut. Ein fähiges Modell ohne Zähler für alle ist mehr wert als das nächste Spitzenmodell für zweihundert Dollar im Monat, und es räumt endlich mit dem Satz auf, KI könne nichts, den man immer von Leuten hört, die vor einem Jahr zwei Fragen in der Gratisversion gestellt haben. Wer das heute noch sagt, hat schlicht nicht nachgeschaut.
Unbequem wird es an derselben Stelle. Ein Werkzeug, das nichts kostet und keine Grenze hat, wird benutzt, ob es freigegeben ist oder nicht. Die Betriebe, die in einem Jahr ein Problem haben, sind nicht die, deren Leute KI benutzen. Es sind die, die nie aufgeschrieben haben, womit. Drei Sätze an der Kaffeeküche kosten euch zwanzig Minuten und ersparen euch das Gespräch, das sonst irgendwann mit einem Kunden geführt wird.
Quelle: OpenAI, „Improving GPT-5.6 Sol in ChatGPT and expanding access to GPT-5.6 Luna for free users", dazu der Eintrag vom 6. August 2026 in den ChatGPT-Versionshinweisen, aus denen das Datum stammt. Die Fehlerquoten sind OpenAIs interne Auswertung. Rechtliche Hinweise sind allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Stand: 06.09.2026.
Welches Modell für welche Aufgabe, welche Tools wirklich zählen und wie du richtig promptest — komplett lesbar, kein Download.
Jetzt gratis lesen →Ich schreibe mit dir die Regel, was in ein KI-Fenster darf und was nicht, richte den freigegebenen Weg ein und für die heiklen Daten die lokale Lösung. Danach benutzt ihr KI bewusst statt nebenbei.