Canva packt seine Zukäufe unter ein Dach: Affinity, Cavalry, Flourish und Leonardo heißen jetzt zusammen ProSuite. Für kleine Betriebe steckt darin eine einfache Botschaft. Profi-Werkzeuge kosten nichts mehr, bezahlt wird für die KI, die einem Arbeit abnimmt.
Canva hat Mitte September die ProSuite vorgestellt. Darunter fasst das Unternehmen seine Profi-Werkzeuge zusammen: Affinity für Grafik, Fotobearbeitung und Layout, Cavalry für Animation, Flourish für Diagramme und Datenvisualisierung und Leonardo für KI-Bilder. Dazu kommen laut Canva über 100 neue Funktionen, die meisten davon in Affinity 3.3.
Die wichtigste Zusage zuerst: Canva, Affinity und Cavalry bleiben kostenlos nutzbar. Die kostenlose Stufe umfasst die grundlegende Bearbeitung und 5 GB Speicher. KI-Funktionen wie das Entfernen von Hintergründen oder das generative Füllen von Bildbereichen gibt es dagegen nur mit Abo. Canva Pro kostet 12 Euro im Monat oder 110 Euro im Jahr, Canva Business 17 Euro pro Person im Monat.
In Affinity 3.3 kommen unter anderem ein Blend-Werkzeug für fließende Übergänge zwischen Vektorformen, der Import mehrerer Fotos auf einmal statt einzeln, ein Bereich für eigene Skripte und eine Anbindung an Claude, über die sich Befehle in normaler Sprache geben lassen. Eine KI-Funktion zerlegt bearbeitete Bilder in einzeln bearbeitbare Ebenen.
Cavalry, das Animationsprogramm, bekommt KI-Hintergrundentfernung, das Erzeugen von Vektorgrafiken und das Trennen von Ebenen. Teams können einzelne Elemente einer Animation direkt in Canva ändern, während der Aufbau gesperrt bleibt. Das ist für Betriebe interessant, die eine Vorlage einmal professionell bauen lassen und danach nur noch Texte und Preise tauschen wollen.
Die Programme bleiben getrennt, werden einzeln installiert und funktionieren unabhängig voneinander. Ein gemeinsames ProSuite-Abo gibt es nach den bisherigen Berichten nicht, die Preise bleiben, wie sie waren. Wer sich eine nahtlose Komplettlösung vorstellt, wird enttäuscht. Wer vier gute Werkzeuge sucht, von denen drei nichts kosten, eher nicht.
Für die meisten kleinen Betriebe bleibt Canva das Hauptwerkzeug: Social-Media-Posts, Aktionsplakate, Visitenkarten, schnelle Anpassungen aus Vorlagen. Dafür braucht es kein Profi-Programm.
Affinity lohnt sich, sobald es um Druck geht, um Fotos, die wirklich gut aussehen sollen, oder um ein Logo und Layouts, die sauber aufgebaut sein müssen. Wer bisher ein teures Grafikprogramm im Abo bezahlt oder mit einer alten Version arbeitet, bekommt hier ein vollwertiges Werkzeug ohne laufende Kosten.
Cavalry ist für bewegte Inhalte gedacht, also animierte Posts oder kurze Erklärfilme, und hat eine steilere Lernkurve. Flourish hilft, wenn Zahlen verständlich werden sollen, etwa in einem Jahresrückblick oder einer Präsentation. Leonardo ist ein weiterer Bildgenerator neben ChatGPT und anderen.
Und die KI im Abo? Die 12 Euro im Monat rechnen sich, sobald man regelmäßig Hintergründe freistellt oder Bildbereiche ergänzt. Wer das zweimal im Jahr macht, braucht das Abo nicht.
Ein Profi-Werkzeug zu besitzen, macht noch keine professionellen Ergebnisse. Affinity und Cavalry brauchen Einarbeitung. Für viele Betriebe ist der bessere Weg, eine gute Vorlage einmal bauen zu lassen und sie danach selbst in Canva zu pflegen, statt jedes Motiv im Profi-Programm neu anzufangen.
Einen Tag nach Canva hat Adobe Photoshop Elements 2027 und Premiere Elements 2027 veröffentlicht, die Einsteigerversionen seiner Foto- und Videoprogramme. Neu sind Funktionen aus dem großen Photoshop: generatives Erweitern, bei dem die KI ein Bild über den Rand hinaus ergänzt, generatives Hochskalieren und ein KI-Assistent, noch als Beta, der Schritt für Schritt durch häufige Bearbeitungen führt.
Das Preismodell ist der eigentliche Unterschied. Elements gibt es ohne Abo, allerdings als Lizenz für drei Jahre und nicht mehr zeitlich unbegrenzt: 99,99 Dollar pro Programm, 149,99 Dollar für beide zusammen, Upgrades günstiger. Umgerechnet sind das gut 33 Dollar pro Jahr für ein Programm. Für Betriebe ergibt das drei Wege: Canva und Affinity kostenlos ohne KI, Canva Pro mit KI im Monatsabo, oder Elements mit KI für drei Jahre im Voraus bezahlt. Die Euro-Preise können abweichen. Quellen: DPReview und PetaPixel vom 16. September 2026.
Schreib auf, welche Gestaltungsaufgaben in den letzten drei Monaten angefallen sind, mit Anzahl. Alles, was nur Vorlagen anpasst, bleibt in Canva. Alles für den Druck oder mit Fotos, bei denen es auf Qualität ankommt, ist ein Fall für Affinity. Zähl dann, wie oft du Hintergründe entfernt oder Bilder erweitert hast. Mehr als ein paar Mal im Monat: Abo. Seltener: kostenlos bleiben und die paar Fälle anders lösen.
Mich interessiert an der ProSuite weniger der neue Name als das Preismodell dahinter. Canva sagt im Grunde: Die Werkzeuge sind nichts mehr wert, für das man extra zahlen muss. Bezahlt wird für die KI, die einem Arbeit abnimmt.
Für kleine Betriebe ist das eine gute Nachricht. Es gibt keinen Grund mehr, mit veralteten oder geliehenen Programmen zu arbeiten. Und die Frage verschiebt sich von „können wir uns das Werkzeug leisten“ zu „wie oft nimmt uns die KI wirklich Arbeit ab“. Die lässt sich mit einer Strichliste beantworten.
Quellen: heise online (Umfang, kostenlose und bezahlte Funktionen, Neuerungen in Affinity 3.3 und Cavalry, Preise); Creative Boom und PetaPixel vom 15. September 2026; AlternativeTo zur Einordnung als Markenbündelung ohne neues Abo. Canvas eigene Mitteilung war für uns nicht abrufbar. Stand: 17.09.2026.
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