Der Werbespot zum neuen Spitzenmodell zeigt einen Menschen allein im Raum, der Arbeit und Abendessen an einen Bildschirm delegiert. Die Kritik daran ist keine Empfindlichkeit. Sie ist eine Marketinglehre, die in jedem Betrieb gilt.
Zum Start seines neuen Spitzenmodells hat OpenAI einen Werbespot veröffentlicht, der genau das zeigt, was das Produkt kann. Und der genau dadurch bei einem großen Teil des Publikums das Gegenteil auslöst. Für uns ist das kein Techniktheater, sondern der lehrreichste Marketingfall der Woche.
Der Spot zeigt einen Menschen allein in einem Raum. Er lässt eine Rakete zeichnen, daraus ein dreidimensionales Modell erzeugen, setzt dieses Modell in ein Videospiel und bestellt nebenbei das Abendessen. Alles über denselben Bildschirm, alles ohne einen zweiten Menschen im Bild.
Technisch ist das eine Machtdemonstration. Erzählerisch ist es ein Abend allein vor einem Rechner, an dem alle Beteiligten außer einem verschwunden sind: die Zeichnerin, der Modellbauer, der Koch.
Besonders scharf fiel die Kritik dort aus, wo die gezeigte Arbeit zu Hause ist. In der Gemeinschaft rund um die freie 3D-Software, die im Spot verwendet wird, empfanden viele die Verwendung ihres Werkzeugs als Vereinnahmung. Eine Künstlerin, deren Arbeit in dem Zusammenhang auftaucht, sprach von Abscheu. Der Vorwurf war nicht, dass das Werkzeug schlecht sei. Der Vorwurf war, dass ausgerechnet eine gemeinschaftlich gebaute Software benutzt wurde, um deren Ersatz zu bewerben.
Lautstarke Kritik im Netz sagt wenig darüber, ob ein Spot verkauft. Die Kritiker sind hier zu einem großen Teil professionelle Kreative, also nicht die Zielgruppe, die ein Abonnement für Alltagsaufgaben kauft. Es gibt keine Zahlen dazu, wie der Spot bei anderen Gruppen wirkt. Wer aus der Empörung ableitet, die Kampagne sei gescheitert, geht über die Quellenlage hinaus.
Der Fehler ist alt und passiert jedem, der ein Werkzeug verkauft. Man zeigt die Ersparnis, weil sie messbar ist. Weniger Aufwand, weniger Schritte, weniger Leute. Was beim Zuschauer ankommt, ist aber nicht die Ersparnis, sondern das Verschwinden.
Genau deshalb funktioniert Werbung für Werkzeuge fast immer besser, wenn sie zeigt, was dazukommt. Nicht die eingesparte Stunde, sondern das, was in dieser Stunde passiert. Nicht der Mitarbeiter, den man nicht mehr braucht, sondern die Arbeit, für die endlich jemand Zeit hat.
Für euren Betrieb heißt das ganz konkret: Wenn ihr mit KI werbt, zeigt nicht das leere Büro. Zeigt den Handwerker, der abends pünktlich rausgeht, weil das Angebot schon geschrieben ist. Zeigt die Chefin, die wieder selbst bei Kunden sitzt, weil das Postfach vorsortiert ist. Dasselbe Werkzeug, dieselbe Ersparnis, ein völlig anderes Bild.
Das Gegenteil von Effizienzwerbung ist nicht Kuschelwerbung. Wenn ein Werkzeug tatsächlich Arbeitsplätze ersetzt, darf man das nicht in Wohlfühlbilder verpacken. Dann gehört es benannt, sonst kippt die Glaubwürdigkeit später umso härter. Der Punkt ist nicht, unangenehme Wahrheiten zu verstecken, sondern nicht das Verschwinden zu feiern.
Schaut euer Werbebild an und fragt: Wer freut sich hier, und worüber? Wenn niemand im Bild ist, der sich freut, verkauft ihr eine Abwesenheit. Wenn sich jemand über einen leeren Terminkalender freut, verkauft ihr Langeweile. Wenn sich jemand über etwas freut, das er jetzt tun kann, seid ihr richtig. Dieser Test ersetzt keine Kampagne, aber er verhindert die peinlichsten Motive.
Wir arbeiten selbst jeden Tag mit diesen Werkzeugen und werben damit. Umso wichtiger finde ich die Unterscheidung: Ich zeige gern, was wir mit KI schaffen. Ich zeige ungern, wer dabei nicht mehr vorkommt. Das ist kein moralischer Feinschliff, das ist der Unterschied zwischen einem Bild, das Lust macht, und einem, das Angst macht.
Und ich nehme mit, dass die eigene Gemeinschaft der empfindlichste Ort ist. Wer ein Werkzeug benutzt, das andere freiwillig gebaut haben, sollte es nicht in einem Spot vorführen, der deren Arbeit ersetzt. Das gilt im Kleinen genauso, etwa wenn man in der eigenen Werbung mit dem Foto eines Kunden zeigt, wie überflüssig dessen bisheriger Weg war.
Quelle: Creative Bloq, „OpenAI's controversial ChatGPT-6 Astra advert paints a sad vision of the future", September 2026, sowie weitere Berichte zur Reaktion aus der Blender-Gemeinschaft. Der Artikeltext war für uns nicht vollständig abrufbar, die Inhalte stammen aus der zusammenfassenden Berichterstattung. Zur Wirkung des Spots auf Käufer liegen keine Zahlen vor. Stand: 08.09.2026.
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