Ein Mensch am Kopf eines Konferenztischs, umgeben von leuchtenden KI-Agenten als Team — Führungskraft für KI
KI-Strategie · Deep Dive · Masterclass-Auswertung · 15. Juli 2026

10 Menschen.
50 KI-Agenten.

Dominic von Proeck führt sein Unternehmen Leaders of AI mit höchstens zehn Menschen — der Rest seines Teams sind KI-Agenten mit Personalakte, Probezeit und Feedbackgesprächen. Wir haben seine 2,5-Stunden-Masterclass bei {ungeskriptet} komplett ausgewertet: wie seine KI-Organisation wirklich funktioniert, wo sie scheitert — und warum er glaubt, dass wir alle Führungskräfte für KI werden.

Lesedauer9 Minuten
KategorieKI-Strategie
Quelle2:33 Std. Interview
Stand15. Juli 2026
Personalakte = System-Prompt KI-Kollegen mit Probezeit & Assessment Center „Wir prompten seit Dezember 2024 nicht mehr" Souveränität heißt nicht Antiamerikanismus Führung wird die neue Kernkompetenz Personalakte = System-Prompt KI-Kollegen mit Probezeit & Assessment Center „Wir prompten seit Dezember 2024 nicht mehr" Souveränität heißt nicht Antiamerikanismus Führung wird die neue Kernkompetenz

Kein Theoretiker. Ein Betreiber.

Dominic von Proeck ist keiner, der über KI redet, weil es gerade Klicks bringt. Sein erstes KI-Unternehmen (KI-gestützte Softskill-Trainings auf Basis der Flow-Forschung) hat er im Mai 2022 verkauft — Monate bevor ChatGPT erschien. Heute betreibt er mit Leaders of AI ein KI-Schulungsunternehmen, sitzt nach eigener Aussage in Expertenräten von Microsoft und Google — und hat eine Firma gebaut, die nach seinen Angaben in 20 Monaten ihren Umsatz ver-14-facht hat, mit über einer Million Euro Umsatz pro Kopf.

Der Kern seines Modells: eine Selbstbeschränkung. „Nie mehr als zehn menschliche Vollzeitstellen." Alles weitere Wachstum leisten KI-Agenten — rund 50 im produktiven „Inner Circle", weitere 150 bis 160 im Prototyping. Sie heißen Hansi, Helga, Monika, Jürgen. Und sie werden geführt wie Menschen.

Im 2,5-Stunden-Gespräch mit Ben ({ungeskriptet}) erklärt er das komplette System. Wir haben es für dich verdichtet — inklusive der Stellen, an denen es scheitert, und einer ehrlichen Einordnung am Ende.

Die Kurzfassung

Menschenmax. 10
KI-Agenten produktiv~50
Im Prototyping150–160
Umsatzwachstum14x in 20 Monaten*
Manuelles Promptingseit Dez. 2024 abgeschafft
*QuelleEigenangaben im Interview

Der Personalprozess —
1:1 auf KI übertragen.

Die zentrale Idee ist verblüffend einfach: Statt „Tools zu konfigurieren", hat von Proeck seinen kompletten klassischen Personalprozess auf KI-Agenten übertragen. Jeder Baustein, den du aus der Menschen-Welt kennst, existiert auch für die KI:

Baustein 1
Personalakte = System-Prompt

Jeder Agent hat eine Personalakte (technisch: sein System-Prompt) plus ein Persönlichkeitsprofil nach Big Five, entwickelt mit einer Berliner Hochschule. Assistentin Monika ist bewusst sarkastisch — weil das zu ihrer Rolle passt.

Baustein 2
Probezeit & Assessment

Neue KI-Kollegen durchlaufen einen Monat Probezeit — und ein Assessment Center, in dem drei Prüf-KIs unabhängig versuchen, sie zu hacken, zum Halluzinieren zu bringen und in ein PR-Desaster zu treiben. Erst dann geht's in den Inner Circle.

Baustein 3
Feedback & Entwicklung

Feedbackgespräche, Performance Reviews, sogar „Weiterbildungen". Sein LinkedIn-Agent Hansi wurde in einer Stunde gebaut — brauchte aber zehn Wochen, um ein guter Mitarbeiter zu werden. Heute hat er 2,5 Jahre Gedächtnis und schreibt eigene Prozesse selbst neu.

Baustein 4 · der bemerkenswerteste
HR-Agentin Helga stellt ein

Wer einen Engpass hat, stellt keinen Menschen ein, sondern einen HR-Antrag an Helga — eine KI, die neue KI-Mitarbeiter anlegt: Akte, Bild, Modellwahl, Datenbankeintrag. Und die Prompts schreibt sie auch: „Wir prompten seit Dezember 2024 nicht mehr."

„Je mehr wir angefangen haben, die zu vermenschlichen, desto erfolgreicher wurden wir."Dominic von Proeck, {ungeskriptet}-Masterclass

Das klingt esoterisch, hat aber einen nüchternen Kern, den auch Forschung stützt (er verweist auf den Microsoft Work Trend Index): Organisationen, die KI als Kollegen statt als Tool begreifen, sind bei der Einführung deutlich erfolgreicher. Der Grund ist banal: Delegieren, Kontext geben, Feedback formulieren — das können Menschen mit Führungserfahrung bereits. Sie müssen es nur auf ein neues Gegenüber anwenden.

So läuft eine Woche Content —
fast ohne Menschen.

Am konkretesten wird das System in seiner Content-Pipeline. Alle Agenten „leben" übrigens in Slack — mit Profilbild und eigenem Kanal. Sein Prinzip: „Ich wollte raus aus den KI-Tools" — das Interface ist der Kollege, nicht die Software. So sieht der Ablauf aus:

Mo, 8:00

Nina liefert Research

Die Research-Agentin wertet wissenschaftliche Paper aus und übergibt an Jürgen, den KI-Teamleiter Content (der übrigens von Alina, der menschlichen Head of Marketing, „eingestellt" wurde).

Mo Vormittag

Der Mensch entscheidet

Jürgen prüft Compliance und kuratiert — aber Alina (Mensch) wählt aus, welche Themen produziert werden. Die Richtung bleibt menschlich.

Mo–Mi

Das Agenten-Team produziert

Jürgen delegiert: Hansi (LinkedIn), Lars (Instagram), Lea (Newsletter), Paula (Podcast — komplett KI-generiert in Dominics Stimme, auf Deutsch und Englisch bei Spotify & Apple).

Donnerstag

„Silicon Sampling"

Acht KI-Kundenprofile lesen und hören alles gegen — simulierte Zielgruppe statt Bauchgefühl. Maximal zehn Überarbeitungsschleifen, dann finaler Check durch Jürgen.

Di, 8:00

Veröffentlichung — zuverlässig

Der Content geht raus, pünktlich, jede Woche. Der Engpass ist nicht mehr die Produktion — sondern die Frage, was es wert ist, gesagt zu werden.

Und daneben arbeiten die Spezialisten: Björn zieht Rechnungen aus allen Postfächern und schickt sie dem Steuerberater — auf einem Mini-Modell für „5 Cent pro Million Tokens". Monika managt den Kalender und blockt Achtsamkeits-Slots, wenn er über 70–80 % Auslastung kommt. Elena, die strategische Sparringspartnerin, hat eine eigene Telefonnummer.

Wo das System scheitert.

Was das Interview glaubwürdig macht: Von Proeck erzählt seine Fehlschläge genauso detailliert wie seine Erfolge. Drei davon solltest du kennen, bevor du „KI-Organisation" auf deine To-do-Liste schreibst:

Fehlschlag 1
Monika vs. Deutsche Bahn

Die Assistentin bucht Flüge über die Google-Flights-API problemlos (sie hat eine eigene Kreditkarte) — scheitert aber „gnadenlos" am Portal der Deutschen Bahn. Mit jedem getesteten Modell. Manche Systeme sind schlicht agentenfeindlich.

Fehlschlag 2
Agenten, wo keine hingehören

Eine komplette Agentenkette entlang der Kauf-Journey wurde gebaut — und wieder verworfen. Eine simple 3-Klick-Shoplösung war besser. Seine trockene Bilanz: „Dann haben wir die Leiter wieder alle entlassen müssen."

Fehlschlag 3 · Selbstkritik
Hierarchie kopiert, Silo gebaut

Sie haben die menschliche Command-and-Control-Struktur „mit allen Fehlern nachgebaut": Teamleiter-KI Jürgen ist ein Silo, „null skalierfähig", weiß nichts vom Vertrieb. Alte Organisationsfehler verschwinden nicht, nur weil die Mitarbeiter digital sind.

Und die Arbeitszeit?
KI ≠ 4-Tage-Woche

Von Proeck arbeitet nach eigener Aussage „996" — 9 bis 21 Uhr, sechs Tage die Woche. Sein Satz dazu: „KI führt eher zu mehr Arbeit bei uns." Wer Effizienzgewinne erntet, investiert sie offenbar sofort in Wachstum.

„Wir müssen KI dafür nutzen, alles aufzuräumen, was uns auf den Keks geht — aber niemals dafür, menschliche Beziehungen zu reduzieren."Die Leitplanke der Firma — Idee seiner Frau

Diese Regel ist konkreter, als sie klingt: Hansi darf keine Kommentare und keine Direktnachrichten beantworten. Ans Telefon geht nie eine KI. Das Motto der Firma: „Tomorrow is human."

Der radikalste Move:
Alles löschen, alles neu.

Im Juni 2025 — bei rund einer Million Euro Monatsumsatz — traf er eine Entscheidung, die er selbst „völlig irrational" nennt: den kompletten Schwenk auf europäische Plattformen. Alle laufenden Programme wurden weggeworfen, jedes Video gelöscht und neu produziert.

Prinzip

Kein Boykott

„Souveränität heißt nicht Antiamerikanismus": Die Modelle bleiben amerikanisch (GPT, Gemini, Claude) — aber eingebettet in europäische Plattformen, wechselbar per Klick, mit Backup-Modell.

Stack

EU-Werkzeuge

n8n (Berlin), Make.com (München/Celonis), Langdock, Lovable (Schweden), Flux von Black Forest Labs (Schwarzwald) statt Midjourney — plus Mistral als EU-Modellhaus im Blick.

Frankfurt

Das Eigentum

Personalakten (System-Prompts), Gedächtnisse aller Agenten und Skills liegen in eigenen Datenbanken auf einem Server in Frankfurt. Plattformen sind austauschbare Lego-Steine.

Motiv

Die Kosten-Wette

„Die Party der günstigen KI ist langsam vorbei": Die Tech-Konzerne verbrennen dieses Jahr hunderte Milliarden für KI — irgendwer wird die Rechnung zahlen. Wechselfähigkeit ist seine Versicherung.

Falls dir das bekannt vorkommt: Es ist exakt die Architektur, die wir hier seit Wochen vertreten — Datenhoheit und Wechselfähigkeit statt Ein-Anbieter-Abhängigkeit. Interessant ist, dass jemand sie bei siebenstelligem Monatsumsatz konsequent durchgezogen hat — und dafür nach eigener Aussage „unfassbar angefeindet" wurde.

Wir werden alle
Führungskräfte für KI.

Und damit zur These, die dem Interview den Titel gibt — und die für dein Unternehmen die wichtigste ist:

„Wir werden alle Führungskräfte werden für künstliche Intelligenz. Das wird unsere zutiefst menschliche Aufgabe sein."Dominic von Proeck

Seine Begründung ist empirisch, nicht philosophisch: In seinen Kursen waren die besten Absolventen nicht die Technik-Affinen — sondern Menschen, die vor Outlook-Updates „Schweißperlen" bekommen, aber hervorragend führen können: klar kommunizieren, gutes Feedback geben, Ergebnisse kritisch hinterfragen. Eine Harvard-Kennedy-School-Studie, auf die er verweist, kommt zum selben Befund: Wer gut Menschen führt, ist prädestiniert dafür, KI-Agenten zu führen — und umgekehrt.

Konsequenz in seiner Firma: Er stellt nur Menschen mit Führungserfahrung ein — bewusst gegen das Start-up-Dogma vom hungrigen Studenten. Und er behandelt die KI nach denselben Maßstäben wie Menschen: bedanken, loben, Druck machen, Feedbackgespräche führen. Klingt schrullig, hat aber messbare Effekte — er verweist auf Studien, nach denen schon höfliche Rahmung und „Trinkgeld-Versprechen" die Output-Qualität älterer Modelle um rund 8 % hoben.

Seine Lern-Empfehlungen für Unternehmen, kompakt: Vom Use Case denken, nie von der Technologie. Kultur und Prozesse vor Tools — „das Spiel wird entschieden in Prozessen und in Kultur". Nicht allein lernen, sondern im Team („such dir ein paar andere Spinner"). Und für eine typische 7-Personen-Firma: ein bis zwei Experten für Agenten-Systeme, ein bis zwei Rahmensetzer, der Rest Basisschulung.

Was du glauben kannst —
und was Verkaufsshow ist.

Ehrlichkeit gehört dazu — dreimal Vorsicht

1. Die Zahlen sind Eigenangaben. 14-faches Wachstum, über 1 Mio. € Umsatz pro Kopf, „achtstellig dieses Jahr" — nichts davon ist extern belegt. Auch einzelne Nebenzahlen (etwa seine GitHub-Preisangaben oder „100 % KI-geschriebener Code bei Anthropic") sind zugespitzt bis zweifelhaft — er selbst sagt an solchen Stellen „angeblich".

2. Er verkauft genau das, was er predigt. Leaders of AI lebt von Ausbildungen (299 € bis 5.900 €). Die Botschaft „Führungskompetenz und Ausbildung statt Tools" ist deckungsgleich mit seinem Geschäftsmodell — Ben spricht das im Interview selbst an. Das macht die These nicht falsch, aber du solltest es beim Hören mitdenken.

3. „Alien Intelligence" und die „neue Spezies" sind Philosophie, keine Wissenschaft. Die Studien, die er nennt (Zürich zur „Traumatisierbarkeit", Trinkgeld-Effekte), existieren — sie zeigen aber Kontexteffekte im Prompt, kein Erleben. Seine Deutung Richtung Spezies mit Psyche ist bewusste Zuspitzung; er nennt Irrationalität selbst als sein Marken-Differenzierungsmerkmal.

Trotzdem — und das ist unser ehrliches Gesamturteil: Das Interview gehört zum Substanziellsten, was es derzeit auf Deutsch zum Thema KI-Organisationen in der Praxis gibt. Weil hier jemand nicht über Agenten redet, sondern seit zwei Jahren welche betreibt — inklusive Fehlschlägen, Kosten und Organisationsproblemen, über die sonst niemand spricht.

Die KI ist billig zu bauen.
Gut wird sie durch Führung.

Hansi war in einer Stunde gebaut — und brauchte zehn Wochen Führung, um ein guter Mitarbeiter zu werden. Genau dieses Verhältnis unterschätzen fast alle: Der Agent ist der einfache Teil. Kontext, Feedback, Prozesse und Kultur sind die Arbeit. Und die kann dir niemand abnehmen — sie ist deine neue Kernaufgabe.

Führung ist das neue Prompting.

Man muss nicht jede These von Dominic von Proeck teilen — die „neue Spezies" darf man getrost als Bühnen-Zuspitzung ablegen. Aber sein Kernbefund deckt sich mit allem, was wir in der Praxis sehen: Der Engpass bei KI ist nicht die Technik. Es ist die Fähigkeit, zu delegieren, Kontext zu geben und Ergebnisse zu führen.

Bemerkenswert ist, wie viele seiner Prinzipien du ohne 50 Agenten übernehmen kannst: die 150-€-Prototyp-Regel, die Use-Case-first-Denke, die Leitplanke „KI fürs Lästige, nie für Beziehungen", die Frankfurt-Architektur für die eigenen Daten. Das sind keine Konzern-Ideen — das ist Mittelstands-tauglich ab morgen früh.

Und wer die 2,5 Stunden Zeit hat: Das komplette Gespräch lohnt sich. Sein Schluss-Satz fasst zusammen, warum: „Wenn du überfordert bist mit KI, hast du ein Problem. Wenn alle überfordert sind mit KI, hast du eine riesengroße Chance."

Was du davon morgen umsetzen kannst

Kein KI-Prototyp über 150 € — erst beweisen, dann investieren.
Behandle KI wie einen neuen Mitarbeiter: Onboarding, Kontext, Feedback — nicht wie ein Tool.
Zieh die Leitplanke: KI für alles Lästige — nie dort, wo Beziehungen entstehen.
Halte deine Prompts, Workflows und „Gedächtnisse" in eigenen Systemen — Plattformen austauschbar denken.
Investiere in Führungskompetenz im Team — sie wird wichtiger als jedes Tool-Wissen.

Quelle: „Masterclass: Alles, was du über KI wissen musst" — {ungeskriptet} by Ben mit Dominic von Proeck (2:33 Std., veröffentlicht 15.07.2026, aufgenommen 10.06.2026). Alle Zahlen zu Leaders of AI sind Eigenangaben aus dem Gespräch; Zitate behutsam aus dem Auto-Transkript geglättet, Sinn unverändert. Mehr zu Dominic: leadersofai.com. Wir stehen in keiner Geschäftsbeziehung zu Leaders of AI — die Auswertung ist unsere eigene.

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