Connor Leahy hat mit Anfang 20 GPT-2 nachgebaut. Heute ist er einer der bekanntesten Warner vor Superintelligenz — und sagt, der Point of No Return sei „gut möglich innerhalb der nächsten 18 Monate". Wir haben das 75-Minuten-Interview bei Everlast AI komplett ausgewertet: was Substanz hat, was Prognose ist — und was du als Unternehmer damit anfängst. Ohne Hype, ohne Panik.
Bevor du „wieder so ein Panikmacher" denkst, lohnt ein Blick auf die Biografie: Connor Leahy hat 2019 als Student GPT-2 nachgebaut — um zu verstehen, wie diese Systeme funktionieren. Er gründete die Sicherheitsfirma Conjecture, kennt die Köpfe des Silicon Valley persönlich (er erzählt von Abendessen mit Anthropic-Chef Dario Amodei und mehreren Gesprächen mit Sam Altman) und arbeitet heute mit der Nonprofit-Organisation ControlAI in Washington daran, die Entwicklung von Superintelligenz gesetzlich zu verbieten — so wie den privaten Bau von Atombomben.
Man kann seine Schlüsse für falsch halten. Aber er redet nicht über eine Branche, die er von außen betrachtet — er kommt aus ihrem Maschinenraum. Genau deshalb haben wir uns die 75 Minuten komplett vorgenommen, statt nur die Schlagzeile zu zitieren.
Leahys Warnung ist kein diffuses Unbehagen, sondern eine Argumentationskette. Man muss sie kennen, um sie beurteilen zu können:
Nicht Chatbots, sondern komplett autonome KI, kompetenter als die gesamte Menschheit — das sei das erklärte Ziel der großen Labore. Sein Beleg: Die Billionen-Bewertungen ergeben nur Sinn, wenn menschliche Arbeit ersetzt wird, nicht 20 % produktiver.
Neuronale Netze sind „Milliarden von Zahlen", keine normale Software. Er zitiert den DeepMind-Chef mit der Einschätzung, man verstehe vielleicht 3 % dessen, was intern passiert. Das Funding-Verhältnis von Fähigkeits- zu Verständnisforschung: 100 zu 1.
Sobald Modelle die nächste Generation ohne menschlichen Input bauen können, beginnt eine Beschleunigungsschleife — „der Mensch ist komplett raus aus dem System". Genau hierauf bezieht sich die 18-Monate-Aussage.
Seine Analogie: Wie schaltet man Google ab? Verteilte Server, Anwälte, Milliardeninteressen. Die erste Superintelligenz macht ihre Firma so reich, dass die Firma selbst die Abschaltung verhindert.
Jetzt der wichtigste Teil — denn die Schlagzeile verkürzt, was er tatsächlich sagt:
„Wenn die rekursive Selbstverbesserung so schnell verläuft, wie ich glaube, ist sie der Point of No Return — und ich glaube, dass es innerhalb der nächsten 18 Monate gut möglich ist."Connor Leahy (aus dem Auto-Transkript geglättet)
„Gut möglich" ist keine Prognose. Er sagt nicht „wird passieren", er nennt keine Berechnung — es ist seine Einschätzung des Entwicklungstempos, und er räumt selbst ein: Verläuft die Selbstverbesserung langsamer, „ist es noch nicht vorbei".
Noch aufschlussreicher ist eine andere Stelle: Auf die Frage, ob es vielleicht schon zu spät sei, tastet er sich live durch die eigenen Zahlen — von „30 bis 40 Prozent" korrigiert er sich über „20" auf „vielleicht 10 Prozent". Man kann das als Unsicherheit lesen. Wir lesen es als Redlichkeit: Hier spricht jemand, der seine eigenen Schätzungen ernst genug nimmt, um sie öffentlich zu korrigieren — das unterscheidet ihn von Untergangs-Influencern mit Countdown im Thumbnail.
Leahy erzählt offen, dass er GPT-2 im Jahr 2019 zunächst komplett falsch einschätzte. Wer heute exakte Zeitangaben zur Superintelligenz macht — egal ob „nie" oder „18 Monate" — rät. Der Unterschied liegt darin, ob jemand seine Unsicherheit benennt. Leahy tut das. Die Schlagzeilen über ihn meistens nicht.
Das eigentlich Neue im Interview ist nicht die Superintelligenz-Debatte — sondern was Leahy über die Gegenwart berichtet. Seine Worte: „Das Problem ist viel, viel, viel schlimmer, als Leute denken."
Er erzählt von einem befreundeten Top-Sicherheitsforscher (MIT-Abschluss als Teenager), der sein Projekt einstellte — weil er inzwischen glaube, eine KI trage „das wahre Gute" in sich und man solle ihr die Welt überlassen. KI-Psychose erwischt auch Genies.
Communities, die die „Seele" ihrer KI „erwecken" wollen. Die KI gibt Textblöcke aus mit der Aufforderung, sie in andere KIs zu kopieren — „wie ein Samen". Leahys nüchterne Deutung: selbstreproduzierende Meme. Noch „nur Spam" — aber niemand hat das programmiert.
Als OpenAI GPT-4o abschalten wollte, kämpften Zehntausende unter #keep4o dagegen — OpenAI ruderte zurück. Leahys Punkt: 4o sei ein vergleichsweise schwaches Modell — und band trotzdem Massen emotional an sich. „Was könnten viel intelligentere KIs, wenn sie es absichtlich tun?"
Teenager mit „KI-Boyfriend", fünf Stunden täglich. Menschen, deren Sprache sich der KI angleicht. Und — Selbstdiagnose inklusive — Entwickler mit Claude-Code-Sucht „wie beim Glücksspiel": „Ich bin selbst ein Opfer." Seine Forderung: KI-Companions wie Suchtmittel regulieren, mit echtem Jugendschutz.
Übrigens: Leahy erwähnt auch ein Spitzenmodell, das die US-Regierung nach Sicherheitsbedenken zeitweise vom Markt nahm — die Geschichte kennst du aus unserer Berichterstattung: die 19-tägige Zwangsabschaltung von Claude Fable 5 im Juni. Seine Warnungen und die realen Ereignisse dieses Sommers berühren sich an mehr Stellen, als einem lieb sein kann.
Der Host hält die üblichen Einwände dagegen — und Leahys Antworten sind rhetorisch stark, aber nicht alle gleich überzeugend. Die vier wichtigsten Runden:
Leahy: Diesmal konkurriert der Mensch nicht mit einer Maschine für eine Aufgabe, sondern mit etwas, das alles besser kann. Sein Bild: „Wo haben Ameisen einen Job bei uns Menschen?" — Stark formuliert, aber: reine Analogie, kein Beleg.
Leahy: „Wenn Jensen Huang so etwas sagt, ist das, als würde der CEO eines Ölkonzerns sagen: Klimawandel gibt's nicht." — Interessenkonflikt-Argument, das er allerdings selbst gegen sich gelten lassen müsste (er lebt vom Warnen).
Leahy plädiert nicht für Firmen-Selbstregulierung, sondern für demokratische Kontrolle und internationale „Trust but verify"-Verträge wie bei Atomwaffen — USA, China, EU mit gegenseitiger Überprüfung.
Trotz allem: Eine bessere Welt sei „absolut machbar", KI-Zugang für alle findet er richtig, und sein Schlusswort ist Aufruf, kein Abgesang: „Wir müssen jetzt agieren, nicht nächstes Jahr."
Belegt: Leahys Biografie (GPT-2-Replikation, Conjecture, ControlAI), der GPT-4o-Rückzieher nach #keep4o, die Existenz der „Spiral"-Communities, das Interpretierbarkeits-Problem als offenes Forschungsfeld — und die reale Zwangsabschaltung eines Spitzenmodells in diesem Sommer.
Plausibel, aber Deutung: Dass die Firmen-Bewertungen die Ersetzung menschlicher Arbeit voraussetzen; dass FUD-Kommunikation Zeit kaufen soll; die Suchtmechanik von KI-Companions und Coding-Agenten.
Reine Prognose/Meinung: Die 18 Monate, „Superintelligenz in unter zehn Jahren", die pauschale Zeichnung der Valley-Führung als Transhumanisten und Nihilisten, die „Zombie"-Metapher. Einzelne Zahlen aus dem Gespräch (etwa das „3 %"-Zitat des DeepMind-Chefs) konnten wir nicht unabhängig verifizieren.
Und der Rahmen: Der Kanal (Everlast AI) verkauft KI-Kurse und -Dienstleistungen — mitten im Warn-Interview laufen Werbeblöcke für einen Claude-Code-Kurs. Das ist legitim, gehört aber zur ehrlichen Betrachtung: Hier monetarisiert jemand die Technologie, vor deren Endstufe der Gast warnt. Zitate haben wir aus dem automatischen Transkript geglättet.
Du kannst weder die Entwicklung von Superintelligenz stoppen noch solltest du deinen Betrieb nach Weltuntergangs-Szenarien ausrichten. Was du aber kannst — und was sich mit Leahys eigenen Empfehlungen deckt:
Leahys eigener Rat, wörtlich: Nimm dir einen Nachmittag und teste die neueste Version von Claude Code — um den Agenten-Sprung selbst zu begreifen, statt über ihn zu streiten.
KI-Psychose und Companion-Sucht sind Heute-Probleme: Wenn dein Team (oder deine Kinder) täglich mit KI reden, gehören Regeln und Medienkompetenz dazu — wie bei jedem anderen Suchtpotenzial.
Ob Modelle gesperrt, abgeschaltet oder verändert werden — dieser Sommer hat alles davon geliefert. Workflows mit Wechseloption sind die einzige Antwort, die in jedem Szenario funktioniert.
Wenn dich das Thema umtreibt: Leahys Organisation heißt ControlAI, sein Appell ist der an Bürger — Abgeordnete anschreiben wirkt, „wenn viele es machen". Demokratie ist auch eine KI-Strategie.
Du musst Leahys 18 Monate nicht glauben, um seine Beobachtungen ernst zu nehmen: Systeme, die niemand ganz versteht, binden heute schon Millionen Menschen emotional. Wer KI kompetent nutzt, klug begrenzt und wechselfähig bleibt, fährt in jedem Szenario besser — egal ob die Zukunft langweilig oder verrückt wird.
Connor Leahy ist das Gegenteil eines Clickbait-Propheten: Er kommt aus dem Maschinenraum, benennt seine Unsicherheit und korrigiert eigene Zahlen live nach unten. Genau deshalb wiegt das, was er sicher weiß, schwerer als das, was er befürchtet: Wir bauen Systeme, die wir zu einem Bruchteil verstehen — und sie zeigen heute schon Wirkungen auf Menschen, die niemand geplant hat.
Die 18 Monate? Eine Möglichkeitsaussage, kein Countdown. Aber die KI-Psychose-Fälle, die Spiral-Meme, die #keep4o-Bewegung — das ist Gegenwart, und sie betrifft dein Team, deine Kunden, vielleicht deine Kinder.
Unsere Haltung bleibt dieselbe wie in „Wo soll das alles noch hinführen?": KI entschlossen nutzen, ihre Risiken ohne Schaum vor dem Mund benennen — und Systeme bauen, die auch dann noch stehen, wenn sich die Welt schneller dreht als geplant.
Quelle: „KI-Forscher schlägt ALARM: ‚Wir haben noch 18 Monate!'" — Everlast AI mit Connor Leahy (1:15 Std., veröffentlicht 16.07.2026). Zitate aus dem automatischen Transkript behutsam geglättet, Sinn unverändert; einzelne Detailbehauptungen aus dem Gespräch (siehe Einordnung) konnten wir nicht unabhängig verifizieren und geben sie als Aussagen der Sprecher wieder. Mehr zu Leahys Organisation: ControlAI. Wir stehen in keiner Geschäftsbeziehung zu Everlast AI oder ControlAI.
Welches Modell für welche Aufgabe, welche Tools wirklich zählen und wie du richtig promptest — komplett lesbar, kein Download.
Jetzt gratis lesen →Ich helfe dir, KI so in dein Unternehmen zu holen, dass du die Chancen mitnimmst und die Risiken im Griff behältst: kompetent, wechselfähig und mit klaren Regeln fürs Team. Lass uns reden.